SynopsisCrewDetails
Wenn eine einzelne, nicht zuordenbare Rakete auf die Vereinigten Staaten abgefeuert wird, beginnt ein Wettlauf um die Klärung der Frage, wer dafür verantwortlich ist und wie darauf zu reagieren ist.
© TMDB
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Noah Oppenheim
Schnitt: Kirk Baxter
Kamera: Barry Ackroyd
Schauspieler*innen: Idris Elba, Rebecca Ferguson, Jared Harris
Produktionsjahr: 2025
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h52min
Genre: Thriller, War

Wie jeder Tag vor ihm und der Tag davor startet auch dieser. Morgendliche Begrüßungen, höfliche Erkundigungen nach Ehepartner sowie Kind und Kaffee als Motivator und Aufputschmittel. Die freundlichen Konversationen im White House Situation Room verstummen jedoch augenblicklich, als die beunruhigende Nachricht eintrifft, eine Atomrakete befinde sich im suborbitalen Sinkflug auf einen noch undefinierten Punkt der Vereinigten Staaten von Amerika. Auf der Suche nach Koordinaten wird zusätzlich nicht nur nach den Verantwortlichen gesucht, sondern auch nach einem friedlichen Ausweg.

Perspektivische Erschütterung

Erzählt wird die Geschichte aus drei verschiedenen Blickwinkeln, aufgeteilt auf drei zeitlich fast identische Kapitel, welche simultan voranschreiten und sich kreuzen. Durch das Bündeln diverser Sichtweisen soll am Ende ein reichhaltigeres Bild des Sachverhalts vermittelt werden, welches sich aber perspektivischen Einschränkungen des Narrativs beugen muss. In den einzelnen Segmenten überschneiden und doppeln sich Szenen aus den jeweils anderen, was in Anbetracht des Konzepts ebenso logisch wie nicht gleichbedeutend damit ist, dass dies ein automatischer Fehler sein muss. In diesem Fall ist es allerdings so, dass die Informationen weniger gebündelt und stattdessen wiederholt werden.

Lediglich Charaktermomente werden offenbart, deren Zugang exklusiv innerhalb der bestimmten Kapitel existiert, in denen jene Charaktere im Fokus liegen. Dadurch wirkt Kathryn Bigelows aktuellstes Werk gelegentlich repetitiv und rekapituliert im Prinzip die eigene Rahmenhandlung mehrmals hintereinander, präsentiert gleichzeitig aber auch ein spannendes Subjekt. Unabhängig davon, welcher Rang oder Titel vor den Namen der Figuren prunkt, fällt jede Figur in ein Loch der Verzweiflung und droht einzuknicken. Somit hat die Strategie des Narrativs keinen informativen und eher einen emotionalen Mehrwert. Zahlreiche Telefonate an Familienmitglieder werden getätigt, stetig in der schrecklichen Erwartungshaltung, man würde ihre Stimmen zum letzten Mal hören.

Das Ende aller Tage

Obgleich keine einzelne Sekunde dafür bleibt, nehmen sich die Charaktere diese trotzdem. Menschlich ist die Illustration von Hoffnungslosigkeit und dem daraus resultierenden Wunsch, Kontakt zu geliebten Personen zu suchen. Immerhin errechnet der Filmdie Summe aller Ängste, welche die Prämisse darstellt. Auf einen unangekündigten Nuklearangriff ohne Absender auf der Rakete ist trotz gewissenhaftester Sicherheitsvorkehrungen niemand wahrhaftig vorbereitet. Protokolle und Codes haben erst dann einen Zweck, wenn die Theorie zur Praxis wird und bevor man sich mit dieser akklimatisiert hat, ist es ohnehin zu spät. In kurzer Zeit eine Entscheidung zu fällen und das Leben der Menschheit in der Hand zu halten, ist ein Schicksal, vor dem sich wahrscheinlich jedes Individuum fürchten würde.

Die Prämisse eines bevorstehenden Atomkrieges ist in der Filmwelt nicht neu. Als prominentestes Beispiel dürfte Sidney Lumets Fail Safe aus dem Jahre 1964 dienen, in dem aufgrund eines technischen Fehlers strategische Bomber der USA den Befehl erhalten, Moskau per Kernschlag zu attackieren. Die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen wären gleichermaßen undenkbar und untragbar für die Zivilisation – etwas, das auch in diesem Film immer und immer wieder debattiert wird. Was A House of Dynamite aber vom benannten Beispiel neben dem Kontext der modernen Weltpolitik unterscheidet, ist der ruchlose Pessimismus.

Keine Entscheidung wirkt professionell, kein Gedanke nachhaltig relevant und kein Telefonat zielführend. Man kann in den Augen kein Licht am Ende des Tunnels sehen, sie versinken in vollkommener Finsternis. Das Finale unterstreicht diese Hoffnungslosigkeit und durch besagtes Finale hat das Werk bei Kritikern sowie der breiten Zuschauerschaft bereits gemischte Reaktionen provoziert und wird es wohl auch weiterhin tun. Aber ausgerechnet der unbefriedigende Ausgang der Geschichte ist dermaßen eindrucksvoll, weil die Vision realistischer nicht sein könnte. Die Realität ist eben selten befriedigend, doch ist und bleibt sie ausnahmslos die einzige Variante.

A HOUSE OF DYNAMITE IST SEIT DEM 24. OKTOBER 2025 AUF NETFLIX VERFÜGBAR

8.0
Punkte