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Drehbuch: Scott Cawthon
Schnitt: Derek Larsen, Timothy Alverson
Kamera: Lyn Moncrief
Schauspieler*innen: Josh Hutcherson, Piper Rubio, Elizabeth Lail, Matthew Lillard
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h44min
Genre: Horror, Mystery
Eine Geräuschkulisse schmiedet die Stimmung von fröhlichen Festlichkeiten. Lachende Kinder sitzen im Karussell, fahren mit der Wasserbahn oder verköstigen Softdrinks und Pizza am Essenstisch. Charlotte (Audrey Lynn-Marie) kann der Atmosphäre wenig abgewinnen, will ihrem Status als Außenseiterin jedoch entgegenarbeiten und leistet anderen Kindern Gesellschaft. Bevor sie sich jedoch auf die Situation einlassen kann, sieht sie einen Jungen hinter den Kulissen verschwinden – allerdings nicht allein. Kein Erwachsener schenkt ihren Hilferufen Gehör, also begibt sie sich selbst durch die Tür, um sich über dessen Wohlergehen zu vergewissern. Zwar findet sie diesen und bringt ihn zu seinen Eltern zurück, verliert dabei aber ihr Leben, als sie an fatalen Stichwunden zugrunde geht. Es ist die Kontroverse, welche die Hauptfiliale von Freddy Fazbear’s Pizzeria zur Schließung bringt.

Geister der Vergangenheit
Dieser Rückblick aus dem Jahre 1982 versetzt einen zurück in die Gegenwart von Mike Schmidt (Josh Hutcherson) und seiner Schwester Abby (Piper Rubio). Nach den Ereignissen von vor gerade mal einem Jahr haben die beiden etwas aufgebaut, das mit einem normalen Leben verglichen werden kann – zumindest ist es das, was Mike sich wünscht. Seine Schwester hingegen hat noch immer Probleme damit, Beziehungen zu anderen Kindern aufzubauen und erinnert sich lieber an ihre animatronischen Freunde. Stetig fragt sie Mike nach deren Verbleib und selbiger antwortet jedes Mal, dass er sie bald reparieren würde. Tatsächlich geht er damit der offensichtlichen Wahrheit aus dem Weg, dass er nicht vorhat, Abby jemals wieder in die Nähe der besessenen Roboter zu lassen.
Im ersten Film basierend auf der gleichnamigen Videospielreihe wird bei der Geschichte um die verlorenen Kinderseelen und grausamen, hinter einem Franchise versteckten Morde der Fokus auf das private Dilemma der Hauptfiguren gelenkt. Geplant ist eine Weitererzählung dessen, anfühlen tut sich der Nachfolger jedoch wie eine andere Geschichte. Möglicherweise entspringt dieser Eindruck auch der Tatsache, dass die Eigenschaften der Protagonisten kaum wiederzuerkennen sind. Während Mike im Vorgänger noch konfrontativ gegen die Angst arbeitet und alles dafür geben würde, seine Schwester in Sicherheit zu wissen, operiert er hier praktisch am vollkommen gegensätzlichen Pol. In einer Szene erzählt Mike davon, wie er seine Traumabewältigung durch Konfrontationstherapie ermöglicht hat, denkt sich die bevorstehenden Probleme aber schön. Verwirrend ist die plötzliche Ambivalenz, mit der er dies tut.
Abby hingegen fällt durch obsessive Fixierung auf die Kreaturen auf, die sie – ohne ihr Wissen – beinahe ins Jenseits gezerrt hätten. Wodurch und wann besagte Obsession dieses Ausmaß erlangt hat, wird vom Drehbuch nicht mal ansatzweise konkretisiert. So gedenkt sich Five Nights at Freddy’s 2 auf die Geister der Vergangenheit zu berufen, schlägt aber durch die unsichtbare Charakterentwicklung weit über den Parameter hinweg. Vom Publikum wird verlangt, dass all diese willkürlichen Akronyme einfach hingenommen werden, damit die Animatronics erneut ihr Unwesen treiben können. Umso erschreckender ist diese Erkenntnis, wenn man sich vor Augen führt, dass das Drehbuch von Scott Cawthon und damit dem Schöpfer der Vorlage geschrieben worden ist.
Lediglich Vanessa (Elizabeth Lail), die Tochter des Inhabers der Pizzeria und Serienmörders William Afton (Matthew Lillard), ist ihrem Naturell treu geblieben und untergräbt weiterhin fleißig Geheimnisse, die den Konflikt auf anorganische Art und Weise verschlimmern. Faul ist die Intention des Skripts, die Figuren krampfhaft so handeln zu lassen, als wären die Konsequenzen für die jeweils anderen nicht abzusehen. Hätte es wenigstens Mühen darin investiert, die Verfehlungen psychologisch zu profilieren und damit Transparenz für die Entscheidungen zu gestalten, könnte an das Verständnis der Zuschauerschaft appelliert werden. So wirkt es wie eine planlose Abkürzung zum Unvermeidbaren.

Kindische Vorstellung
Ebenso ambivalent wie die Protagonisten ist auch das Motiv des Antagonisten. Nach ihrem Ableben ist Charlottes Bewusstsein wie bei den anderen, von Afton ermordeten Kindern in einen der Roboter gefahren, was sie auf immer an ihr traumatisches Schicksal und den verfluchten Ort bindet, den ihre Seele heimsucht. Gefangen in endloser Wut, schwört sie allen Erwachsenen Ungnade zu bringen, weil selbige an jenem Abend weder den Jungen, noch sie gerettet haben. Damit operiert diese Adaption sehr nah an einer Kernthematik der Spiele, verpfuscht eine potenziell tragische Rolle aber durch unverblümte Einfallslosigkeit in Form von unpersönlicher Rachsucht. Anstatt auf die Enttäuschung und Furcht eines Kindes einzugehen, welches von denjenigen verletzt worden ist, die sie als einzige hätten beschützen können, reduziert das Narrativ ihr Leiden auf pure Aggression.
Zu allem Überfluss ist diese Aggression nicht greifbar inszeniert, sondern wird wie fast alle emotionalen Subjekte der Geschichte per Exposition vorgetragen. Kein Gespür für den Schrecken der abgebildeten Realität wird deutlich, gleiches lässt sich über das Werk als Horrorfilm sagen, denn der Horror ist nochmal ein ordentliches Stück uninspirierter und zahmer, als im Vorgänger. Flackernde Lichter oder Augen, die in der Dunkelheit erstrahlen, sind alles, was in den vermeintlich gruseligen Momenten als Aufbau dient, immer und immer wieder. Repetitiv und generisch ist das Treiben der Schauergestalten, die abermals kumulativ betrachtet sehr wenig Raum einnehmen. Auch die Tonalität des Szenarios bleibt wankelmütig und streut in den Grusel der Lage häufiger Witze ein, welche die Atmosphäre zum Kentern bringen.
Somit übernimmt Five Nights at Freddy’s 2 den Großteil aller Schwächen, die der Erstlingals Horrorfilm, Adaption sowie Neuinterpretation hatte. Zwar ist die Geschichte konzeptionell ambitionierter, bricht unter dieser Bürde aber komplett zusammen und lässt als positiven Aspekt erneut allein das atemberaubende Set, an dem gearbeitet wird. Das verwinkelte und von Sicherheitstüren befreite Etablissement sowie die handgemachten Animatronics strotzen vor Authentizität und verleihen den Szenen, in denen sie zu bestaunen sind, viel Magie. Jammerschade ist es nur, dass die Trickkiste hinter der Fassade so verstaubt und trügerisch ist, dass die letztendliche Show eher dazu anregt, den Vorhang auf der Bühne zuzuziehen.
FIVE NIGHTS AT FREDDY’S 2 LÄUFT SEIT DEM 04. DEZEMBER 2025 IN DEN DEUTSCHEN KINOS
2.0 Punkte
Five Nights at Freddy's 2 - Review
Dorian
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Die Leidenschaft Filme jeder Art in sich hinein zu pressen, entbrannte bei mir erst während meines 16. Lebensjahres. Seit diesem Zeitraum meines Daseins gebe ich jeder Bewegtbildcollage beim kleinsten Interesse eine Chance, seien es als Pflichtprogramm geltende Klassiker oder unentdeckte Indie-Perlen.