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Die drei besten Freundinnen Inken, Vicky und Lena haben zwar alle einen ganz eigenen Kopf, jedoch dasselbe Ziel: Sie wollen endlich ihren ersten Orgasmus erleben! Während Inken ihrer ach so perfekten Erzfeindin Cheyenne nacheifert und vergeblich auf den ersten Höhepunkt mit Freund Tim wartet, sammelt Lena langsam Mut, um ihren Crush Nick anzusprechen. Auch Vicky will endlich kommen, holt sich anstelle eines Orgasmus aber erstmal einen Vaginalpilz. Doch damit nicht genug: Inkens bester Freund Flin hat langsam keine Lust mehr auf die Friendzone, Vater Gero startet in eigene romantische Abenteuer und intime Geheimnisse stellen die Freundschaft der drei Mädels auf eine harte Probe. Mitten im Gefühlschaos wird ausgerechnet ein Fahrrad für Inken unerwartet zum Game Changer…
© Constantin Film
Regie: Martina Plura
Drehbuch: Katharina Kiesl
Schnitt: Christoph Strothjohann
Kamera: Monika Plura
Schauspieler*innen: Kya-Celina Barucki, Julia Novohradsky, Nhung Hong, Zoë Pastelle Holthuizen, Jason Klare, Yoran Leicher, Jamie Lee Williams, Henning Baum
Produktionsjahr: 2025
Land: Deutschland
Sprache: Deutsch
Länge: 1h30min
Genre: Comedy

Mädchen Mädchen! ist ein Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 2001, der seiner Zeit 1,8 Millionen Zuschauer in die Kinos locken konnte. Ein Erfolg, den Constantin Film nun 24 Jahre später mit dieser Neuauflage wiederholen möchte. Und wenn man sich das Poster anschaut und daran zurückdenkt, mit welchen Filmen der Verleih die letzten Jahre erfolgreich gewesen ist, lässt eine Teenie-Sex-Komödie mit quietschbuntem Poster, das mehr an ein Bravo-Cover erinnert, zunächst nichts Gutes erwarten.

Angenehm frisch

Aber falsch gedacht – inhaltlich ist diese Neuauflage eine Überraschung. Der Film trifft den aktuellen Zeitgeist und befreit sich zugleich von den prüden und konservativen Klischees anderer deutscher Komödien der letzten Jahre. Man könnte sich sogar so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass es seit langem keine so gute deutsche Komödie mehr zu sehen gab.

Das liegt zum einen an den überwiegend unverbrauchten Gesichtern der Darstellerinnen und Darsteller, die vor allem sympathisch sind und altersgemäß besetzt wurden, zum anderen an den erfrischenden Themen, die die meiste Zeit über wenig aufgesetzt wirken. Jede der drei Hauptfiguren hat ihr eigenes Päckchen zu tragen, das gekonnt in die Geschichte verwoben wird und sich nicht lange mit unnötigem Klamauk oder Slapstick aufhält, wodurch sich der Film auch auf angenehm kurzweilige 90 Minuten Lauflänge beschränkt.

Ein Remake für Gen Z

Wenn man den negativen Kommentaren zum Trailer auf YouTube in einem Punkt zustimmen kann, dann in der Frage, warum man nicht einen eigenständigen Film gemacht hat, der ähnliche Themen aufgreift, zumal die Zielgruppe des neuen Films den alten vermutlich ohnehin nicht kennt. Doch obwohl wir im Kino mehr als genug Remakes und Reboots serviert bekommen, haben wir es hier mit einem Film zu tun, den man nicht prinzipiell ablehnen sollte und der sich trotz einiger Schwächen durchaus aus der Masse mittelmäßiger Produktionen hervorheben kann.

Selten gelingt es einem Film, der eine jüngere Zuschauerschaft ansprechen will, dieses Ziel tatsächlich zu erreichen. Wir haben es hier zwar nicht mit einer Meisterleistung zu tun, die gänzlich frei von Fremdscham bleibt, aber einige Floskeln und Verhaltensweisen der Figuren sind erstaunlich treffend. In einem Film, der Stereotype bewusst aufgreift und mit ihnen spielt, ist das auch durchaus in Ordnung. Dabei muss man allerdings darüber hinwegsehen, dass die gesamte Schule regelmäßig einen Erotikblog einer anonymen Autorin liest, sich alle in ihrer Freizeit im selben Schwimmbad aufhalten und als Date-Location selbstverständlich ein Riesenrad gewählt wird.

Multiple Orgasmen und Repräsentation

Natürlich stellt sich auch der Vergleich mit dem Original und die Frage, was eine Neuauflage dem Altbekannten hinzufügen kann. Ganz simpel könnte man behaupten, dass der neue Film ein jüngeres Publikum ansprechen will, das den alten Film vermutlich gar nicht kennt und selbst wenn doch, vermutlich nicht viel damit anfangen kann. Das wird beim neuen Film sicherlich anders sein, auch wenn einige Zuschauer im Saal beim Wort „Orgasmus“ ihre halbe Popcorntüte vor Schreck verschütten, weil man von Constantin Film, aber auch von westlich geprägten Sehgewohnheiten heutzutage deutlich keuscheres Kino gewohnt ist.

Geht man nun auf die Unterschiede der beiden Filme ein, ist der neue Film sicherlich einfach „woker“, was bei einigen Menschen, für die Repräsentation ein Fremdwort ist, vermutlich schon beim Lesen des Begriffs krampfhafte Schüttelanfälle auslöst. Letztlich bedeutet das aber einfach nur: Der Film ist divers und das, ohne aufgesetzt zu wirken.

Dass der Junge, auf den eines der drei Mädchen steht, zum Beispiel ein Transmann ist, wird nicht einmal erwähnt. Außerdem bahnt sich eine gleichgeschlechtliche Liebesgeschichte an und das Mädchen, das für die drei Hauptfiguren zunächst zu perfekt erscheint, hat selbst eigene Probleme und vielleicht nicht schon mehrfach multiple Orgasmen gehabt, wie sie es zuerst behauptet. Jede Figur hat nachvollziehbare Beweggründe, auch wenn diese gegen Ende etwas überhastet gegen die Wand gefahren werden, nur um kurz vor dem Finale noch schnell einen emotionalen Tiefpunkt zu konstruieren.

Ausbleibender Erfolg

Mädchen Mädchen! ist nicht frei von Klischees und Schwächen und beißt sich vor allem beim Thema Body Positivity ein wenig ins eigene Bein: Zwar wird die ganze Zeit von körperlichen Unsicherheiten gesprochen, doch alle Mädchen sind zierlich und haben flache Bäuche, während die meisten Jungs für das Alter, das sie darstellen sollen, ein wenig zu breit gebaut sind. Das ist nichts, was man nicht auch aus anderen Filmen kennt und der Cast kann nichts dafür, dass er zu gut aussieht, aber es sei trotzdem an dieser Stelle angemerkt.

Trotz mancher Makel lässt sich der Film inhaltlich sogar mit empfehlenswerten Genrevertretern wie der Netflix-Serie Heartstopper vergleichen, die in manchen Momenten sogar ein wenig unbeholfener wirkt, wenn es darum geht, Humor einzubringen. Davon hingegen hat Mädchen, Mädchen! mehr als genug und ist kurzweiliger, als es ein Fack ju Göhte-Film je sein könnte.

Primär könnte man behaupten, dass es sich um einen Film für junge Mädchen handelt. Doch gerade solche Kinobesuche lohnen sich oft mehr, als sich nur in den gewohnten Gewässern aufzuhalten – nur weil man meint, der Film sei nichts für einen. Der erwartete Erfolg, den sich Constantin Film für das Remake erhofft hatte, ist womöglich ausgeblieben. Vielleicht ist es auch ein Film, der erst auf den Streamingdiensten Anklang findet, so wie der schreckliche Hammerharte Jungs, der damals lange in den Netflix-Top-10 war. Vielleicht warten die Zuschauer aber auch lieber auf den nächsten Chantal im Märchenland.

MÄDCHEN MÄDCHEN! LÄUFT SEIT DEM 3. JULI 2025 IN DEN DEUTSCHEN KINOS

7.0
Punkte