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Im Jahr 2017 trägt die populärste Fernsehshow den Namen ‘Running Man’. Straffällig gewordene Männer und Frauen müssen ihren Preis gegenüber der Gesellschaft mit dem Tod bezahlen. Dieser Tod tritt allerdings erst nach einem brutalen, aussichtslosen Kampf gegen die Gladiatoren von ‘Running Man’ ein. Jetzt allerdings befindet sich Ben Richards in der Todeszone und der Moderator der Show, Damon Killian sollte niemals Richards letzte Worte vergessen: Ich komme wieder.
© TMDB
Regie: Paul Michael Glaser
Drehbuch: Steven E. de Souza
Schnitt: Mark Warner, John Wright, Edward A. Warschilka
Kamera: Thomas Del Ruth, Rick Fichter
Schauspieler*innen: Arnold Schwarzenegger, Richard Dawson, María Conchita Alonso
Produktionsjahr: 1987
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h40min
Genre: Science-Fiction, Action, Thriller

Nach dem Einsturz der globalen Wirtschaft schaffen sich die Vereinigten Staaten ihre Stabilität durch totalitäre Unterdrückung. Um Zivilaufständen präventiv entgegenzuwirken, etabliert die Regierung eine Spielshow, die klare Konsequenzen von Ungehorsam porträtiert, aber gleichzeitig eine Belohnung verspricht. Mit der Verheißung auf eine Reinwaschung ihres Führungszeugnisses werden die Teilnehmenden gelockt, da deren zukünftige Alternativen ohnehin nicht rosig aussehen. Der Haken an der Sache ist nur, dass die verurteilten Kriminellen an Kämpfen teilnehmen, bei denen sie von sogenannten „Jägern“ verfolgt und potenziell hingerichtet werden. Ein Leben in Freiheit oder der ewige Tod sind der Gewinn der Mitspieler, die den Katalysator der größten Sensation im Fernsehprogramm darstellen: „The Running Man“.

Groteske Bedürfnisse

Weniger an den Langzeitfolgen einer Revolution interessiert, von denen alle Menschen profitieren, die aktiv vom Staat unterdrückt werden, infiltriert Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) mehr oder minder freiwillig die Show. Eigentlich will er lediglich seine Freiheit zurück, die ihm nach falschen Anschuldigungen und der darauffolgenden Inhaftierung entrissen worden ist. Dennoch merkt er fix, dass sein Mitwirken nicht nur ihm, sondern vielen anderen Menschen helfen kann. Mit der Unterstützung seiner Freunde entsagt er dem Egoismus und setzt sich als Freiheitskämpfer für die Zukunft der Population ein. Wirklich komplex oder originell ist der Werdegang des Protagonisten nicht. Die Ansprüche der Romanvorlage Menschenjagd von Stephen King werden stark simplifiziert und auf das heruntergebrochen, was die Menschen laut Damon Killian (Richard Dawson) – dem diabolischen Spielleiter der Show – wollen.

Unterhaltung ist der Zaubertrank, mit dem die Show sein Publikum in ihren magischen Bann zieht. Recht plakativ, aber doch gar nicht fernab der Realität karikiert Running Man die perversesten Abgründe des menschlichen Bedürfnisses, sich von grotesken Bildern berieseln zu lassen. Je blutiger, extremer und ultimativer, desto besser. Richards wird von einem Hühnen mit Hockeymaske und Schläger gegen ein metallenes Netz gepresst und die Menge grölt und applaudiert. Den Schmerz in seinem Gesicht zu sehen, provoziert Emotionen der Freude und Begeisterung. Immerhin ist er in den Augen der Allgemeinheit ein eiskalter Massenmörder. Befriedigung durch Grausamkeit lässt sich dadurch leicht schönreden.

Die Doppelmoral von militärischer Dressur zum Pazifismus und dem Hunger nach Gewalt wird eindeutig illustriert, bildet aber ironischerweise nicht den Fokus des Werkes. In erster Linie ist der Film ein gradliniges Action-Vehikel im dystopischen Gewand, welches durch legendäre One-Liner und übertriebene Kostümierungen schnell vergessen lässt, wie nah das Szenario an den Abgründen des menschlichen Wesens operiert. Aber wie stark kann das ins Gewicht fallen, wenn Arnold Schwarzenegger sich mit abstrusen Gestalten mittels Flammenwerfer und Kettensägen bekriegt?

Eine wahre Show

Die Ausstattung des Filmes und insbesondere die Sets blenden den Verlust einer tieferen Geschichte effektiv ab. Riesige Räume werden präsentiert, durchzogen von dunklen Farben, ästhetischen Schatten und dicken Dampfwolken. Volle Müllhalden dienen als Schauplatz einer intensiven Verfolgungsjagd, in denen die Überlebenden vor einem Mann in einer mit aufblitzenden Farblichtern geschmückten Rüstung flüchten. Dieser schießt Elektroschocks aus seinen Händen und singt dabei in himmlischen Tönen Opernlieder. Beklemmend, eindrücklich und völlig verrückt ist die aufkommende Atmosphäre.

Running Man zentriert in seiner Prämisse nicht nur eine Show, das Gezeigte ist eine solche. Einige Sequenzen sowie die Tonalität der Storyline missen den Eindruck der Ernsthaftigkeit, auf die das Drehbuch in gewissen Momenten der Gewalt und deren Reflexion hinarbeitet, aber unterhalten wird die Zuschauerschaft vortrefflich. Am Ende bleibt das Gefühl bestehen, dass zwischen der demonstrativen Satire und Kritik an medialer Hypnose ein inhaltliches Loch ist, das mit Witz, Charisma und Action gestopft wird. Es gibt aber definitiv schlimmere Kompromisse. Davon könnten die Teilnehmenden im Bildschirm ein Liedchen trällern, würde der psychopathische Elektriker das nicht bereits übernehmen.

RUNNING MAN IST AKTUELL (STAND: 01. OKTOBER 2025) AUF NETFLIX VERFÜGBAR

7.0
Punkte