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Seit einem Jahrzehnt versucht Texas Ranger Lefty Enright den grausamen Mord an seiner Familie durch die legendäre “Sawyer-Familie” zu rächen. Mit der Hilfe einer Radio-Station, die dem Terror ebenfalls ein Ende setzen möchte, findet er sich schnell in der Metzgerei der Sawyers wieder. Dort beginnt eine Schlacht von epischem Ausmaß…
© TMDB
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: L.M. Kit Carson
Schnitt: Alain Jakubowicz
Kamera: Richard Kooris
Schauspieler*innen: Dennis Hopper, Caroline Williams, Bill Moseley, Bill Johnson
Produktionsjahr: 1986
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h40min
Genre: Comedy, Horror

Blutig ist das Vermächtnis, welches Leatherface (Bill Johnson) hinterlassen hat. Mit Entspannung hat es der kettensägenschwingende Kannibale nach dem Massaker jedoch nicht. Obwohl seine Taten die Medien im Sturm erobert und die texanische Savanne in eine Oase der Furcht verwandelt haben, denkt er nicht mal im Traum an den Ruhestand – geschweige denn Diskretion. Als er sich durch das Dach eines fahrenden Autos und schlussendlich auch dessen Insassen sägt, ist die Tragödie unglücklicherweise auf Band aufgezeichnet worden. Radiosprecherin Vanita „Stretch“ Brock (Caroline Williams) ist somit ungewollt Zeugin eines violenten Verbrechens, von dem ansonsten niemals jemand erfahren hätte.

Animalische Abgedrehtheit

Sie gerät ins Fadenkreuz der menschenfressenden Familie und wird in ihrem Studio terrorisiert. Spätestens dabei fällt aber auf, dass die Ausstrahlung selbiger Familie eine regelrechte Kehrtwende gemacht hat. Während Leatherface kurz davor ist, sich in Stretch zu verlieben, lässt der aufdringliche Chop-Top (Bill Moseley) einen Schenkelklopfer nach dem anderen von der Leine. Sich das Fleisch von der eigenen Wange zu ziehen, es zu rösten und dann zu vertilgen, hält ihn von seiner guten Laune nicht ab. Gesungen und getanzt wird später auch noch. Im Gegensatz zum nihilistischen, irreparabel bösartigen Vorgänger ist diese Fortsetzung bis zum Blutplasma durchzogen von schwarzem Humor.

Verpackt mit dem Franchise bisher fremden Gore, koppelt Texas Chainsaw Massacre 2 die physische Opulenz von Leatherface an überzogene Ironie und Hyperaktivität. Was ist schon dabei, wenn man jemandes Schädel mit dumpfen Hammerschlägen aufknackt wie ein Frühstücksei? Dabei kann man die Stimmung zumindest mit ein paar Späßen aufheitern! So oder so ähnlich hat Tobe Hooper das Motto des Szenarios umgedacht und ist damit an dieses Sequel herangetreten. Die Geräuschkulisse sprengt sämtliche Pegel und übersteuert Mikrofone durch manisches Geschrei, irres Gelächter und permaaktivierte Kettensägen. Fies ist der Humor und bei Einsatz der wahnsinnigen Ideen genauso passend. Bei einem Kettensägenduell im Hintergrund eines Charakters, der sein Bedauern über alle Lebensentscheidungen kundtut, die zu diesem Moment geführt haben, kann man nur lachen.

Zu wenig und zu viel des Guten

Erfrischend ist die Andersartigkeit dieser Fortsetzung, doch kann sie mit ihren Charakteristiken überfordern. Wenn Stretch über mehrere Minuten schreiend in einer Ecke steht, kommt der Eindruck auf, dass weniger mehr sein könnte. Anfänglich vermag die Atmosphäre trotz des präsenten Blödsinns immer noch beklemmend wirken, als die Protagonistin sich an ihrem Arbeitsplatz verschanzt. Der erste Auftritt Chop-Tops ist deshalb so ikonisch, weil er inmitten der aufgedrehten Attitüde durch seine Wortwahl und Körpersprache immer noch wie ein ernstzunehmender Gegner fungiert. Die Balance zwischen Grusel, Gewalt und Humor ist angenehm ausgeglichen. Sobald sich der Schauplatz aber auf den Karneval verschiebt, in dem sich die Kannibalen eingenistet haben, verliert das Drehbuch sein Gleichgewicht.

Wenn Texas Chainsaw Massacre 2 gerade nicht damit beschäftigt ist, ganze Szenen des ersten Teils zu rekonstruieren, schießt er neben den kleinen aber feinen Einfällen übers Ziel hinaus. Dialoge klingen wie die davor, verzogene Fratzen erschrecken nicht mehr und ruckartige Bewegungen schüchtern nicht mehr ein. Zu dem Zeitpunkt der Penetranz ist die Tonalität schmerzhaft festgefahren, man hat sich an dem Wahnsinn sattgesehen und sattgehört. Repetitive Tortur erstickt ein vielversprechendes Setting quasi direkt bei der dortigen Ankunft. Auch Dennis Hopper als obsessiver, mit Akimbo Kettensägen bewaffneter Polizist kann die nachgelassene Wirkung nicht mehr reanimieren. Die praktischen Effekte sind schön eklig und zuweilen hält das Skript amüsante Gags parat, doch leider geht dem Film nach hinten raus früher die Puste aus, als den Kettensägen das Benzin.

5.0
Punkte