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Der Programmierer und Spieleentwickler Kevin Flynn wurde um seine Arbeit betrogen und gefeuert. Versuche, Beweise dafür im Hauptcomputer seiner ehemaligen Firma zu beschaffen, blieben bislang erfolglos, aber nicht unentdeckt. Ein letzter Versuch an Beweise zu kommen ist ein Computer-Hack aus dem Inneren der Firma. Das ist aber nur mit Hilfe von seiner Ex-Freundin Lora und ihrem jetzigen Freund Alan möglich. Es geschieht das Unglaubliche: Das MCP (Master Control Programm) wehrt sich und entführt Flynn in eine Welt aus Bits und Bytes. Unerwartet trifft Flynn hier alte Feinde aber auch auf neue Freunde.
© TMDB
Regie: Steven Lisberger
Drehbuch: Steven Lisberger
Schnitt: Jeff Gourson
Kamera: Bruce Logan
Schauspieler*innen: Jeff Bridges, Bruce Boxleitner, Cindy Morgan, David Warner
Produktionsjahr: 1982
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h35min
Genre: Science-Fiction, Adventure, Action

Kevin Flynn (Jeff Bridges) mag häufig der klügste Mensch im Raum sein, sobald er einen betritt, doch eine Aktion hätte seinen Titel als Superhirn unterstrichen: Patent auf seine Videospielkreationen anmelden. Dass Ed Dillinger (David Warner) ihm diese unter der Nase weggeschnappt und als die eigenen verkauft hat, nagt sehr an ihm. Doch wo kein Beweis gefunden werden kann, ist auch kein Plagiat. Deshalb will er sich mithilfe von zwei Freunden zurückholen, was rechtmäßig ihm gehört. Als Kevin sich beim Hacken aber auf ein virtuelles Duell mit dem Programm des Großrechners einlässt, der sämtliche Daten gut verschlüsselt beherbergt, zieht er den Kürzeren und wird in die digitale Welt gesogen, die er selbst erschaffen hatten.

Digitale Meisterleistung

Keine zehn Sekunden dort angekommen, wird er bereits von NPCs in die Mangel genommen und postwendend in ein Gefängnis gesteckt, das aus Nullen und Einsen besteht. Für die Avatare vor Ort ist er ein weiterer Charakter, welcher von einem Benutzer in der realen Welt gelenkt wird. Bei Kevin setzt vorerst die Verwirrung ein. Nachdem ihm jedoch klar wird, dass er sich in keinem abgedrehten Traum befindet, sieht er die beste Chance, die er hätte kriegen können. Kann er bis zum Kern des Master Control Program (MCP) vordringen, kann er selbiges nämlich überschreiben, löschen und somit seine Daten zurückgewinnen. Es steht aber noch viel mehr auf dem Spiel, als Ruhm und Ehre. Gemeinsam mit Tron (Bruce Boxleitner), dem Avatar eines Freundes, liegt es an ihm, das MCP davon abzuhalten, sämtliche Informationen und Programme zu verschlingen, um grenzenlose Macht der Virtualität zu erlangen – im Spiel, wie auch in der realen Welt.

Über Schaltkreise und Kabel geht die Reise der Protagonisten hinaus, denn sie bewegen sich kreuz und quer durch Codes und Programme, die ein physisch begehbares Monument abbilden. Bauten von holographischen Säulen türmen über den kreisrunden Arenen, auf denen die Avatare sich bekämpfen. Fliegende Festungen und dreidimensionale Panzer verteidigen die Software jenseits des Spielfeldes, welches von neonleuchtenden Farben erhellt wird. Die optische Interpretation der virtuellen Welt ist verspielt. Mal weiträumig und mal verwinkelt hetzen die Helden in Buchten und Gemäuer, die mit interaktiven Innovationen aufwarten. Handwerklich ist dieses Werk nicht nur atemberaubend ästhetisch und originell, sondern ist seiner Zeit meilenweit voraus. Die Mischung aus animierten Elementen, echten Personen und Räumlichkeiten und computergenerierten Effekten verzeichnet einen Meilenstein der digitalen Restaurierung des Mediums. So fügt sich die Optik automatisch der Prämisse an und begeistert als technologische Errungenschaft.

Ein Bit zu viel

Aufwand und Ambitionen sprießen empor, wenn Kevin beispielsweise auf einem Motorrad durch quadratisch getrennte Flächen düst und einen farblich passenden Streifen hinter sich zieht, der die Konturen ausfüllt. Gegen diese beeindruckende Aufmachung kann jeder Inhalt theoretisch nur verlieren, aber die Geschichte wird ohnehin äußerst stiefmütterlich behandelt. Wie der Protagonist gezwungenermaßen schnell akzeptieren und verstehen muss, wie die Bausteine der Videospielwelt zusammengebaut werden, wird in einem drastischen Tempo abgehalten und überwiegend auch gar nicht tiefer dechiffriert. Während der Hauptcharakter aktiv im direkten Umgang mit der Welt lernen kann, tritt beim Publikum vielmehr das genaue Gegenteil ein.

Dadurch fängt Tron zu überfordern an, wenn man der inkohärenten Story folgen möchte. Durch die bewusste Reizüberflutung des Konzeptes bleibt aber nicht viel Zeit übrig, um Antworten auf potenzielle Fragen zu suchen. Der Fokus liegt eindeutig auf der Präsentation eines Abenteuers, welches sich von Impuls zu Impuls hangelt. Beobachtet man Kevin dabei, wie er am Steuer einer fliegenden Festung die Kontrolle verliert und in jedes Hindernis knallt, das sich auf seiner Route auftun kann, rücken seine eigentlichen Intentionen und der erzählerische Konflikt rasant in den Hintergrund. Steven Lisbergers Science-Fiction-Kultfilm bietet in dem Sinne harmlose Unterhaltung, die mit technischer Raffinesse und nicht inhaltlicher brilliert. Wenn man sich in den Ansprüchen nicht verirrt, schafft dieses Werk also zumindest oberflächlich zu faszinieren. Am liebsten will man sich selbst auf eines der erwähnten Motorräder setzen und erkunden, welche Überraschungen diese Welt aus Ziffern und Modellen noch parat hält.

TRON IST AKTUELL (STAND: 15. SEPTEMBER 2025) AUF DISNEY+ VERFÜGBAR

6.0
Punkte