SynopsisCrewDetails
Mit einer einzigen Ausnahme verschwinden eines Nachts alle Kinder einer Schulklasse zur exakt gleichen Zeit auf mysteriöse Weise. Die Bewohner der betroffenen Gemeinde stehen vor der Frage, wer oder was hinter dem rätselhaften Verschwinden steckt.
© TMDB
Regie: Zach Gregger
Drehbuch: Zach Gregger
Schnitt: Joe Murphy
Kamera: Larkin Seiple
Schauspieler*innen: Julia Garner, Josh Brolin, Alden Ehrenreich, Austin Abrams
Produktionsjahr: 2025
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 2h9min
Genre: Horror, Mystery

Es ist der Alptraum, den sich alle Eltern teilen. In der Vorstellung ist das spurlose Verschwinden eines Kindes schon furchtbar genug. Doch für 17 Elternpaare einer Kleinstadt wird der Alptraum bittere Realität, als um Punkt 2:17 Uhr nachts ihre Kinder das Haus verlassen, in die Dunkelheit rennen und nicht mehr aufzufinden sind. Schnell wird Lehrerin Justine Gandy (Julia Garner) zum Mittelpunkt der Gespräche, da alle verschwundenen Kinder von ihr unterrichtet werden. Aufgrund mangelnder Beweise und dem Fehlen des leisesten Anhaltspunktes wird sie zum Sündenbock auserkoren. Schließlich muss irgendjemand wissen, wieso die Kinder davongelaufen sind, wenn nicht gar der Grund dafür sein.

Schwarze Schafe in der Herde

In Wahrheit ist Justine aber genauso ratlos und auf der Suche nach Antworten, wie es die verzweifelten Erziehungsberechtigten sind. Sie ist nur in der unglücklichen Position die einzige Verbindung darzustellen, die zwischen den Vermissten existiert. Völlig irrational in ihrer Feindseligkeit, kanalisieren die Betroffenen schlichtweg ihre Frustration auf die Lehrerin, da sie nicht wissen, wohin sie diese sonst leiten können. So geht es früh nicht mehr um das, worum es eigentlich gehen sollte — aus Angst wird Wut.

Der dargestellte Konflikt schlägt eine interessante Richtung ein, wenn die Protagonistin mitten in der Nacht an die Haustür gezwungen wird, weil wer die Klingel läutet und das Wort “Hexe” mit blutroter Farbe auf ihr Auto geschrieben steht. Warum wird sie schikaniert, während alle zusammenarbeiten könnten, um den Fall der verschwundenen Kinder zu lösen? Im mal mehr und mal weniger ernsten Ton stellt Weapons – Die Stunde des Verschwindens auf verschiedene Perspektiven und Kapitel aufgeteilt die Kredebilität der Charaktere auf die Probe.

Beispielsweise verpatzt Polizist Paul (Alden Ehrenreich) eine Verfolgungsjagd auf kolossale Weise, als er einen harmlosen Kleinkriminellen versehentlich verletzt, sich an einer Spritze in seiner Tasche sticht und ihn aus Panik ausknockt. All dies geschieht vor laufender Kamera in seinem Polizeiwagen, woraufhin er versucht, die Sache unter den Tisch zu kehren. Als würde die Zurechnungsfähigkeit aller Involvierten an den Umständen zerbrechen, entwickeln sich anständige Bürger zu schwarzen Schafen. Grenzen werden überschritten und Rivalitäten keimen auf, was nicht gerade hilfreich ist, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

Tappen durch die Dunkelheit

Wesentlich ausbalancierter und organischer wechselt Zach Cregger zwischen den Genres, als er es im tonal ähnlich ambivalenten Barbarian tut. Hier wippt die Stimmung nämlich nicht nacheinander auf und ab, sondern zur gleichen Zeit und entschieden rapider. Hat man in einer Szene noch etwas zu lachen, ist die darauffolgende an Grusel und Anspannung kaum zu überbieten. Die Kamera zeigt einen dunklen Gang in einem stinknormalen Haus — etwas, von dem man gar nicht glauben würde, dass dies noch irgendwen ängstigen kann. Dennoch wird die Finsternis mit einer Weitläufigkeit eingefangen, dass die Augen automatisch nach dem Monster unter dem Bett suchen.

Dabei ist letztendlich vollkommen unklar, wovor man sich überhaupt fürchten muss. Sind es die aufgeregten Eltern? Hat eine paranormale Apokalypse begonnen? Oder ist gerade dieses Nichtwissen der wahre Horror? Die Bedrohung ist ebenso unsichtbar wie sie einnehmend ist. Nicht nur zeigt sich die Inszenierung von Terror makellos, auch die unheimliche Ausgangssituation wird mit reichlich Undurchsichtigkeit gefüllt. Für lange Zeit ist es schwer abzuschätzen, wohin einen das Drehbuch mit der Handlung entführt.

Weapons – Die Stunde des Verschwindens lässt einen durch die Dunkelheit tappen, während das kurz aufblitzende Licht noch größere Schatten wirft. Horror entsteht oftmals in der Fantasie dessen, was man glaubt zu sehen. Man darf sich von der häufigen, gar satirischen Ironie nicht in falsche Sicherheit wiegen lassen, denn auch wenn dieses Werk zum Finale hinzunehmend abgedrehter wird und im letzten Akt ein bisschen zu akribisch entmystifiziert, was es aufbaut, schlägt immer wieder eine düstere Atmosphäre durch. Wenn man die Videoaufnahmen der durch die Vorgärten hetzenden Kinder beobachtet, merkt man einfach, dass etwas ganz Bizarres vor sich geht. Die Uhrzeit der Aufzeichnung ist nicht bloß ein Richtwert. So finster wie die Nacht sind die Ereignisse und auch am helllichten Tage fühlt es sich an, als wäre die Sonne nie aufgegangen.

WEAPONS – DIE STUNDE DES VERSCHWINDENS LÄUFT SEIT DEM 07. AUGUST 2025 IN DEN DEUTSCHEN KINOS

8.0
Punkte