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Als Bikini Bottom plötzlich aus dem Ozean gehoben wird, machen sich Sandy Cheeks und ihr Kumpel Spongebob Schwammkopf auf nach Texas, um ihre Stadt zu retten.
© TMDB
Regie: Liza Johnson
Drehbuch: Tom Stern, Kaz
Schnitt: Billy Weber, Matthew Feinman
Kamera: Greg Gardiner
Schauspieler*innen: Carolyn Lawrence, Tom Kenny
Produktionsjahr: 2024
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h27min
Genre: Animation, Comedy, Family, Adventure

Es ist der größte Raubüberfall in der Geschichte der Unterwasserwelt: Ein riesengroßer Schaufelarm nimmt Bikini Bottom und schiebt es woanders hin! Ja, man mag es kaum glauben, aber Patricks schwachsinnige Idee seine Heimat vor dem Angriff eines alaskanischen Stierwurmes zu isolieren, dient Jahrzehnte später als Prämisse eines hauseigenen Filmes. Nicht umsonst soll man niemals nie sagen, was auch die Devise vom smarten Eichhörnchen Sandy Cheeks (Carolyn Lawrence) zu sein scheint, welche im Zentrum der Geschichte steht. Neben jedermanns Lieblingsschwamm SpongeBob (Tom Kenny) ist sie die einzige Meeresbewohnerin, die sich vor der heimtückischen Attacke in Sicherheit bringen konnte. Also nimmt sie sich der Rettung der verschleppten Stadt an… und reißt das Publikum trotz bester Intentionen mit in den Abgrund.

Tiefpunkt in Texas

Denn wenn Galveston in Texas tatsächlich so aussieht wie hier, treiben einen keine zehn Pferde dorthin. Während die inzwischen zum Standard etablierte Animation im 3D-Stil nicht zwangsläufig schön aussieht, birgt sie zumindest kein Potenzial nachhaltiger Augenschäden. All dies ändert sich jedoch in exakt dem Moment, wo unsere Helden die Savannen der Südstaaten betreten. Die Graphiken der verschiedenen Ebenen stimmen überhaupt nicht miteinander überein und vermitteln eine Optik, die an Hässlichkeit nicht zu überbieten ist. Darüber hinaus wird ein missratener Versuch gestartet, die Polygone mit realen Schauplätzen oder Personen interagieren zu lassen. Was im ersten 3D-animierten Film aus dem Jahre 2015 noch relativ solide umgesetzt worden ist, verfehlt hier komplett sein Ziel.

Grotesk ist der Anblick einer Frau, die ihren menschlichen Kopf auf einen offensichtlich computergeneriert visualisierten Roboter transplantiert hat. Noch grotesker ist aber der Anblick, wie besagte Frau einen genmanipulierten, mutierten Piranha küsst, welcher noch offensichtlicher computergeneriert visualisiert worden ist. Ein weiteres Lowlight bietet die Verfolgungsjagd, in welcher ein Mops die Protagonisten durch einen Wasserpark bis in die Kanalisation scheucht. Wenn man bei einem Film gegen den Drang ankämpfen muss, bewusst und über diverse Intervalle verteilt wegzuschauen, ist zweifelsohne etwas schiefgegangen. Ein Glück ist Aussehen nicht alles, denn bekanntlich kommt es primär auf den Charakter an.

Nichts zu lachen

Von so etwas wie einem Charakter lässt sich jedoch beim besten Willen ebenfalls nicht reden. Wie unter Dauerbeschuss ballert das Skript mit einer Hyperaktivität um sich, die ebenso einfältig wie schlichtweg nervtötend ist. In einer Szene schäumt einem Eichhörnchen der Mund und es sagt, dass es sich nicht daran erinnern könne, jemals keine Tollwut gehabt zu haben. Wer auf die Pointe hofft, kann lange warten. Kurz darauf lachen alle Figuren hysterisch und repräsentieren das Konzept, was einem als Witz verkauft wird. Jede Szene, in der das Lachgetriebe des Publikums gekitzelt werden soll, verläuft nach dem Schema des eben erörterten Beispiels. Irgendein Charakter gibt hohlen Stuss von sich und alle lachen über ihre eigenen Witze. Seit wann gehört es zum Programm, dass Komik durch unkontrolliertes Gelächter vorgegaukelt wird?

Da hilft es keinen müden Millimeter, dass die Eigenschaften der Charaktere limitierter nicht sein könnten. Sandy ist als Herzstück der Story zu verstehen, wird aber zur schablonenhaft taffen Heldin degradiert, die zumindest ein bisschen Grips hat. Letzteres lässt sich nicht über SpongeBob sagen, welcher einfach nur – und es lässt sich nicht netter formulieren – dumm ist. Konstantes Lachen und verwirrende Kommentare abzugeben, zeichnet keine Figur. Dieser Trugschluss bringt dieses Machwerk zu Fall. Es handelt sich um eine chronisch kranke Humormüllhalde, vollgestopft mit abstrusen Deformationen und One-Linern, welche teilweise sogar die Charaktere im Film zur Fremdscham zwingen.

Früh entpuppt sich Rettet Bikini Bottom: Der Sandy Cheeks Film als Zero-Trick-Pony. Die Steigerung dessen setzt nämlich voraus, dass wenigstens einmal gelacht wird. Das einzige, was der Film bewerkstelligt ist, dass man von sämtlichen Charakteren vorerst nichts mehr hören will. Beeindruckend ist es, dass ein dermaßen beliebtes Franchise so rasend schnell absinken kann, wenn das Team hinter einer Neuinterpretation kein Gespür für authentischen Humor oder charmante Figuren mitbringt. Möglichst laut und möglichst bizarr muss es hier sein, auch aus einer mikroskopisch klein angedeuteten Tierschützer-Botschaft wird gar nichts gemacht. Ohne Abspann dauert das Ganze nur lasche 75 Minuten und dennoch denkt man sich: STEINIGES STRANDGUT! WAS IST DAS?

RETTET BIKINI BOTTOM: DER SANDY CHEEKS FILM IST SEIT DEM 02. AUGUST 2024 AUF NETFLIX VERFÜGBAR

1.0
Punkte