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Ethan Hunt begibt sich auf seine siebte und bislang unmöglichste Mission: Gemeinsam mit seinem IMF-Team soll er eine neuartige Waffe ausfindig machen, die dazu in der Lage ist, die Menschheit an den Rand des Dritten Weltkriegs zu führen – und sieht sich gleich mit mehreren mächtigen Gegnern konfrontiert. Denn zahlreiche Schurken wollen ebenfalls in den Besitz des Schlüssels gelangen, der ihnen die Kontrolle über die mysteriöse Waffe geben würde. Doch der gefährlichste Feind hat weder einen Namen noch ein Gesicht: eine künstliche Intelligenz, die den Agenten immer einen Schritt voraus ist, aber selbst vollkommen unberechenbar agiert. Ein globaler Wettlauf um das Schicksal des Planeten beginnt – der Ethan Hunt gleichzeitig vor einige folgenschwere persönliche Entscheidungen stellt …
© TMDB
Regie: Christopher McQuarrie
Drehbuch: Christopher McQuarrie, Erik Jendresen
Schnitt: Eddie Hamilton
Kamera: Fraser Taggart
Schauspieler*innen: Tom Cruise, Hayley Atwell, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson
Produktionsjahr: 2023
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 2h44min
Genre: Action, Thriller, Adventure

Kino denkt immer größer. Auf alten Wows lässt es sich nicht mehr ausruhen, wenn der Gong zur neuen Runde ertönt. Jetzt will die Menge etwas Neues, praktisch etwas, das sie nie zuvor zu Gesicht bekommen hat. Actionfilme haben die unausgesprochene Aufgabe, stetig Maßstäbe zu setzen und dabei vorige zu übertrumpfen. In einem Genre, dessen Eigenschaften schnell zu durchschnittlicher Stangenware verkommen und eine Vielzahl austauschbarer Ableger repräsentieren, herrscht ein nicht endender Konkurrenzkampf um das bestmögliche Spektakel. Es gilt das Publikum aus seinen Sitzen zu befördern, den Blick seiner Augen auf sich zu ziehen und handwerklich wie auch inhaltlich mitzureißen.

Wenn ein Franchise dieses Prinzip verstanden, sich gar von Teil zu Teil mit mehr und mehr größenwahnsinnigem Tumult übertroffen hat, dann ist es die Mission Impossible-Reihe. Für Ethan Hunt (Tom Cruise) und seine Rasselbande an talentierten Agenten geht es auf in die nächste Schlacht. Eine neue Bedrohung, neue Strategien, neue Herausforderungen. Diesmal scheint der Feind jedoch in einer unvorstellbaren Erscheinung zu operieren, denn es handelt sich um eine zur Entität mutierten künstlichen Intelligenz. Somit betritt der siebte Part des Franchise technologisches Terrain und wählt eine Ausgangslage, die die eigene Messlatte hochlegt. Doch wie man es inzwischen von Cruise und seiner Besatzung nur erwarten darf, wird der Film den eigenen Ansprüchen gerecht. Das wäre allerdings noch maßlos untertrieben: Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil Eins tanzt unter unmöglich wirkenden Standards Limbo.

Koryphäen auf ihrem Gebiet

Dass die Reihe für ihre wahnwitzigen Stunts und ausgefeilten Action-Sequenzen bekannt ist, gehört in der Filmwelt längst zum Allgemeinwissen. Auch die Tatsache, dass die Einfälle und Szenarien immer epischer, gefährlicher und prahlerischer werden, ist keine Neuigkeit. Trotzdem muss an dieser Stelle einmal gewürdigt werden, wie es das Franchise mit jedem dazukommenden Vertreter schafft, die Zuschauerschaft mit exakt dem ins Staunen zu versetzen, was sie am meisten voraussehen kann. Entschließt man sich dazu einen Film dieses Universums zu schauen, weiß man, dass die Action in gigantomanischer Manier die Leinwand regiert. Wie eine Dampfwalze überrollt einen dann die tatsächliche Qualität in Ausführung wie auch Nachwirkung. Action ist in dieser Welt kein Hilfsmittel für bloßes Entertainment, sondern eine Kunstform.

Hierbei stechen nicht nur die Szenen selbst hervor. Natürlich ist ein in einer engen, von zwei Pforten abgesperrten Gasse ausgetragener Nahkampf als solches bemerkenswert anzusehen und innovativ. Ethan Hunt steckt Schläge und Tritte ein, teilt als Gegenleistung welche aus und schöpft mittels seiner Fähigkeiten das volle Zerstörungspotenzial aus der komprimierten Kulisse. Dabei bleibt die Kamera übersichtlich und dicht am Geschehen, sodass der Schlagabtausch gegensätzlich zu seiner minimalistischen Ausstattung gewaltiger und wuchtiger nicht nachhallen könnte. In diesen Momenten ist der Film genau das, was die Leute suchen – ein Spektakel. Darüber hinaus lässt sich aber noch mehr aus der Action entnehmen.

Kinetische Bewegtbildmontagen passieren Grenzen und werden zu einer Philosophie. Bloßes Handwerk zu begutachten ist das eine, flammender Leidenschaft beizuwohnen das andere. Bestes Beispiel dürfte der Moment sein, den bereits jeder aus den Trailern kennt: der Sprung. Auf einem Motorrad sitzend beschleunigt Tom Cruise sein zweirädiges Vehikel, rast determiniert auf einen Abhang zu und springt; nicht etwa auf einer Stelle in die Luft, sondern den gesamten Abhang hinunter. Bewussterweise wird hier der Name des Darstellers und nicht der von ihm porträtierten Figur genannt, denn in diesem Moment sehen wir eben nicht Ethan Hunt. Wir sehen einen Hollywoodstar, dem kein Stunt Angst zu machen scheint und dem Medium mit voller Hingabe verfallen ist.

Im Rahmen simplen Unterhaltungskinos lässt sich bei diesem Werk von einer gewissen Überqualifizierung sprechen. Weder körperlich noch mental wirken die involvierten Persönlichkeiten – seien es die Menschen vor oder hinter der Kamera – in der Verfassung, etwas Vergessenswertes zu produzieren. Das Genre wird in sich geschlossen zelebriert, Barrieren werden zu Illusionen degradiert und anfänglich erwähnte Maßstäbe gesetzt. Ob bei einem Feuergefecht im Sandsturm, einer Autoverfolgungsjagd durch Rom oder einem Versteckspiel am Flughafen: Je tiefer die Limbostange gehalten wird, desto sicherer tänzelt der Film unter ihr hindurch.

Verheißungen auf etwas Gigantisches

Schwere Geschütze werden auch in der Storyline aufgefahren, deren Prämisse einem interessanten, in der Welt des Spionagefilmes noch überraschend wenig erforschten Subjekt unterliegt – Cyberterrorismus. Als Hauptbösewicht der Geschichte will die Entität in ihrem Volumen und der eigenen Effizienz wachsen, um sämtliche Daten der Moderne für sich zu beanspruchen. Damit aber nicht genug, denn es finden sich auch einige Menschen, die die Fähigkeiten der Entität für ihre Zwecke nutzen wollen. In den falschen Händen bedeutet eine an Macht gewinnende KI den Anfang vom Ende, dem Zusammenbruch der Zivilisation, wie wir sie kennen. Freiheit und Privatsphäre würden konstanter Kontrolle und Überwachung weichen. Oder auch vereinfacht ausgedrückt: Wer die Entität kontrolliert, kontrolliert die ganze Welt.

Im Umgang dieser Ausgangslage wird die Entität als unsichtbarer Widersacher dargestellt, die stets im Schutz von Codierungen, Algorithmen und Ziffern agiert. Kurz nach der Inkenntnissetzung wird dem Team um Ethan deutlich, dass dieser Feind wortwörtlich schwer zu knacken sein wird. Wie besiegst du einen Feind, den du nicht sehen kannst? Einen Feind, der alles weiß und jeden deiner Schritte kalkulieren kann? Einen Feind, der rein rational und nicht emotional handelt? Ungeahnt sind die wahren Kompetenzen dieser Anomalie, wenn beispielsweise die Stimme von Benjamin Dunn (Simon Pegg) – Hunts loyaler Kollege und langjähriger Freund – kopiert und mit eigenen Worten wiedergegeben wird, um den Hauptcharakter in eine Richtung zu lotsen, die ihn vom Weg zu seinem eigentlichen Ziel abbringt und direkt in die Arme mehrerer Auftragskiller treibt. Elemente wie diese sind derart spannend, dass man während des Schauens beinahe vergisst, wie viel Potenzial der Konflikt auf subatomarer Ebene eigentlich hat.

Tatsächlich hält sich Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil Eins noch merklich mit den eigentlichen Möglichkeiten dieses Antagonistenprofils als nachhaltige Gefahrenquelle zurück und tastet sich an dessen Virtualitäten heran, hält in der Hinsicht als Vorgeschmack auf kommende Ereignisse den Ball vorerst flach. Zwar wird dem Film als eigenständiges Werk somit etwas die Dynamik an der Exploration besagter Möglichkeiten verwehrt und die Handlung verläuft schlichter, als sie müsste, punktet jedoch auch innerhalb dieser bewussten Limitierung mit grandiosen Höhepunkten. Mit einer gesunden Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, brachialer Audiovisualität und der nötigen Passion für das Genre etabliert sich das jüngst verbuchte Kapitel des Franchise abermals als ein Highlight des Jahres und schürt als Einleitung genug Vorfreude auf den kommenden Teil Zwei, während als alleinstehendes Werk jegliche Register gezogen werden.

MISSION: IMPOSSIBLE – DEAD RECKONING TEIL EINS LÄUFT SEIT DEM 13. JULI 2023 IN DEN DEUTSCHEN KINOS

8.0
Punkte