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Natasha Romanoff alias Black Widow kann auf eine Vergangenheit beim KGB zurückschauen, wo sie zur Spionin und Auftragskillerin wurde. Als Teil der Avengers sollte die sowjetische Zeit passé sein. Doch auf unliebsame Weise trifft sie auf Black Widows, mit denen sie eine Geschichte teilt. Das sind zum Beispiel die junge Yelena Belova, zu der sie ein schwesterähnliches Verhältnis hatte, Melinda und Alexei Shostakov, der einst als Red Guardian das russische Äquivalent zu Captain America war.
Regie: Cate Shortland
Drehbuch: Jac Schaeffer, Eric Pearson, Ned Benson
Schnitt: Leigh Folsom Boyd, Matthew Schmidt
Kamera: Gabriel Beristain
Schauspieler*innen: Scarlett Johansson, Florence Pugh, David Harbour, O.T. Fagbenle, Rachel Weisz
Land: USA
Sprache: Englisch
Jahr: 2021
Länge: 2h14min
Genre: Superhelden, Action, Thriller

Mit Black Widow wird nach etwas mehr als zwei Jahren Abstinenz aus den Kinosälen das von vielen gefeierte Marvel Cinematic Universe fortgesetzt. Im Fokus steht die titelgebende Black Widow, Natasha Romanoff (Scarlett Johannson). Neben der Tatsache, dass sie schon immer eher als Sidekick in Erscheinung getreten ist, verwundert außerdem die Wahl des Zeitpunkts für diesen Film, schließlich – Spoiler für Avengers: Endgame – ist sie mittlerweile verstorben. Dass die Ereignisse des Films sich größtenteils zwischen The First Avenger: Civil War und Avengers: Infinity War abspielen, komplettiert das verwirrende Erscheinungsbild des Films.

Mit einem Blick in Natashas Kindheit startet Black Widow in seine Geschichte. Kurz wird ihre Familie beleuchtet und schnell wird deutlich, dass das eben noch so idyllische Leben bald vorbei ist. Natashas Familie muss fliehen, und zwar zurück in die Sowjetunion. Dort wird klar, dass alles nur Fassade war und es für die beiden Kinder der Schein-Familie sofort zurück in das bekannte “Roter-Raum”-Programm geht. Natashas Ziel in diesem Film ist also, eben dieses Gehirnwäsche-Programm zum erliegen zu bringen, welches etliche junge Frauen zu Marionetten und Attentäterinnen macht – so auch einst Natasha, bis sie sich lösen konnte. Nun will sie Rache nehmen und bekommt ihre einstige Tarm-Familie an die Seite gestellt: ihre Eltern Alexei und Melina sowie ihre Schwester Yelena.

Nach einer mäßigen Cover-Version von Nirvanas Smells Like Teen Spirit wird die getrennte Familie – oder zumindest die beiden Schwestern – wieder vereint und es geht los mit Schlägereien, Verfolgungsjagden und dem restlichen Action-Kram. Was ein interessanter Rachethriller mit nachvollziehbaren Motiven hätte sein können, muss zügig dem Standardrepertoire von Marvel weichen. Gerade die coolen Sprüche, welche jede Figur jederzeit auf den Lippen zu haben scheint, stoßen konstant bitter auf und sind gerade nach dem relativ stimmungsvollen Beginn ein wirklich enttäuschendes Element dieses Films.

Nun gehen viele Fans aber für genau das überhaupt ins Kino, was vollkommen in Ordnung ist. Als reiner Entertainment-Film kann sich Black Widow definitiv sehen lassen. Seine Laufzeit von 134 Minuten vergeht wie im Flug und ist vollgestopft mit kreativen Action-Set-Pieces, obwohl nicht alle durch den hektischen Schnitt ihre volle Wirkung entfalten können. Oft könnte man sich zudem fragen, ob Natasha nicht nach dem x-ten Kampf mal eine gewisse Schwäche oder zumindest Ermüdungszeichen Wahrnehmen müsste… oder ob so manch eine Szene überhaupt in Sachen Gravitation überhaupt Sinn ergibt. Es ist natürlich nicht so, als wäre das einzig in diesem neuen MCU-Ableger der Fall. Was hier jedoch so bitter aufstößt, ist die Masse an nervigen Kleinigkeiten, die hier einfach aufeinander treffen.

Glücklicherweise gibt es aber nachvollziehbare Motive, Ängste und Wünsche, welche die Figuren in Black Widow antreiben. Vorrangig wird sich hier auf Natasha, aber auch ihre kleine Schwester Yelena bezogen. Nein, auch bei ihnen werden in Sachen Charakterzeichnung und -entwicklungen keine Bäume ausgerissen, doch es ist erfrischend nachvollziehbar warum sie tun, was sie tun. Gerade Florence Pugh muss hier auch für ihr Schauspiel gelobt werden, denn in jeder Szene mit ihr stiehlt sie dem Rest des Casts die Show. Selbstverständlich liefern aber auch die übrigen Darsteller*innen einen soliden bis guten Job ab, allen voran natürlich Scarlett Johansson, aber auch David Harbour. Ob die ganzen flotten und oft unpassenden Sprüche hätten sein müssen, steht auf einem anderen Papier.

Was leider abermals enttäuscht, ist der Antagonist. Dreykov als Leiter des Roten Raums ist halt böse und der von ihm losgeschickte Task Master… auch. Das Konzept dessen scheint immerhin interessant, doch so wirklich ausführlich von Film ausgearbeitet wirkt es letzten Endes auch nicht.

Mit typischer musikalischer Untermalung, ergänzt um einige russische Klänge, und solider Kameraführung ergibt sich ein ordentliches audiovisuelles Gesamtbild. Abheben tut es sich von den meisten anderen Filmen des MCUs jedoch nicht, was allerdings auch keine verwunderliche Erkenntnis ist, wo doch so häufig gewisse Musik-Themen wieder und wieder aufgegriffen werden.

Was lässt sich also abschließend festhalten? Black Widow liefert mehr vom selben, verschwendet aber leider nahezu gänzlich sein durch die nachvollziehbar motivierten Figuren überraschend hohes Potenzial, welches ihm als Art Rachethriller innerhalb des MCUs ein Alleinstellungsmerkmal hätte liefern können. Nun müssen leider erneut ruhige und ernste Momente hohlen One-Linern weichen und die Darsteller*innen haben den Karren aus dem Dreck zu ziehen – wobei das wohl eine Spur zu hart ausgedrückt wäre. Black Widow macht weitestgehend Spaß, ist aber im Kern und abgesehen von der Post-Credit-Szene einfach so egal, dass es stellenweise schmerzt.

BLACK WIDOW LÄUFT SEIT DEM 08. JULI 2021 IN DEN DEUTSCHEN KINOS

5.5
Punkte