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George und Catherine Clare sind ein frisch verheiratetes Ehepaar und gemeinsam zieht es aus Manhattan in einen kleinen Ort im Hudson Valley. Kurz nach seinem Umzug beginnt die Beziehung an zu kriseln und Catherine vermutet, dass es ein dunkles Geheimnis ihre Ehe umgibt. Des Weiteren scheint mit dem neuen Zuhause etwas nicht zu stimmen und für die beiden werden die Dinge ziemlich schnell sehr gefährlich.
Regie: Shari Springer Berman, Robert Pulcini
Drehbuch: Shari Springer Berman, Robert Pulcini, Elizabeth Brundage
Schnitt: Andrew Mondshein, Louise Ford
Kamera: Larry Smith
Schauspieler*innen: Amanda Seyfried, James Norton
Release: 2021
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 2h1min
Genre: Drama, Horror, Thriller, Mystery

Hört ihr es? Das sanfte Wispern aus dem Jenseits, welches die abgeschiedene Residenz mit einem Hauch schauriger Enge füllt? Hört ihr die abstrusen Raumgeräusche, die die leblose Inneneinrichtung atmen lassen? Und könnt ihr sie sehen? Die zentralen Fahrten durch hübsch aufbereitete Zimmer und idyllische Landschaften? Die okkulten Paranormalitäten des Spuks, der mit seinem Umfeld interagiert? Was man jedoch weder hört noch sieht, ist das Meisterwerk hinter der auf einer Romanvorlage basierenden Filmadaption, geschweige denn einen in irgendeiner Form brauchbaren Zusatz des Genres.

Dabei gibt es in der Tat einiges zu hören und zu sehen. Eine gewisse technische Raffinesse ist Things Heard & Seen nicht abzusprechen. Das Sound-Design, Sound-Editing sowie der Score sind der Location angemessen stimmig und umgarnen das sagenumwobene Anwesen, welches Zeuge so vieler gescheiterter Leben war. Ein Gespür für angenehme Ansätze seine Atmosphäre auszubauen macht sich in der inszenatorischen Herangehensweise des Regisseurduos, bestehend aus Shari Springer Berman und Robert Pulcini, erkennbar und stellt sich dementsprechend äußerst verlockend vor. Die Kameraführung bleibt gefasst, kompakt und toll anzuschauen. Gerade im Fortlauf der Geschichte scheint das Objektiv regelrecht warm zu laufen und mit immer mehr Selbstbewusstsein und Verspieltheit zu bestechen. Nur schade, dass die in sich geschlossen ansprechende Aufmachung dem Film kein Gütesiegel aufdrucken kann, denn alles um den gesponnenen Konflikt und der Tatkraft als Horrorfilm versagt auf ganzer Linie.

Angefangen bei der Storyline und dem, als was sich Things Heard & Seen etablieren will, unterliegt er seinen aufgepumpten Intentionen und dem daraus resultierenden Maß und Belanglosigkeit. Horror als Grundlage für eine im Kern reelle, dramatische Erzählung als oberflächliche Dekoration zu verwenden, ist ein feines und geniales Konzept. Wie viele es ihm vorher gleich getan und diese Methode zu einer größeren Beliebtheit eleviert haben, verbirgt auch Things Heard & Seen wesentlich mehr hinter seiner Fassade, als der typische Mainstream-Horror, der einfach nur fesseln und unterhalten will. Ihm genügen die Gänsehautmomente nicht, er hat eine Substanz zu verarbeiten, einen Inhalt mitzuteilen. Dies scheint aber derart reichhaltig gewesen zu sein, dass der Film sich schon früh überlastet hat und vor lauter Grundgedanken nicht wusste, wohin mit sich.

Der Plot ist überall, nur nicht da, wo er sein soll. Es werden so viele schwierige Themen angerissen und keines fertiggestellt. Kein einziger Strang wird wahrlich auserzählt. Die toxische Ehe der Hauptcharaktere, die persönlichen Dämonen der Charaktere oder sogar die Charaktere selbst. Stetig wechselt der Fokus auf einen anderen Aspekt. Das Ergebnis bildet ein unnötig aufgestocktes Figurengebilde aus unpersönlichen Konflikten untereinander, dem ein narrativer Mehrwert fehlt. Kurz gesagt: Letztendlich ist der Film nichts Halbes und nichts Ganzes.

Wenn wenigstens der Gruselfaktor stimmen würde, hätte man immerhin eine kurzweilige Geisterstunde zu begutachten, aber auch davon ist der Film fern ab. Mit seiner Laufzeit von zwei vollen Stunden weiß er nicht umzugehen. Das Pacing schleppt konsequent vor sich her. Vereinzelte Momente lassen einen aufhorchen, verfliegen nichtsdestotrotz aufgrund des schwachen Skripts, das gespickt ist von lieblosen Horroreinlagen und gelegentlichen Scares, in Windeseile. Der Cast bleibt trotz sichtbarer Bemühungen den Terror zu transferieren vollkommen farblos. Die pauschal packende Atmosphäre wird darunter komplett begraben. Mit permanenter Ruhe und der wachsenden Erwartung zu jonglieren, kann wunderbar funktionieren. Zu spät ist es aber immer, wenn man das Publikum auf eine bestimmte Distanz gedrängt hat, ab der sie keine Bereitschaft mehr aufbringen möchte, sich zum Geschehen umzudrehen.

Dass ein Horrorfilm nicht der Schocker des Jahrtausends ist, stellt aber nicht automatisch das bedeutendste Übel dar. Im Mittelpunkt kann nämlich immer noch eine brillante Geschichte stecken. Dies ist hier leider nicht gegeben. Irreparabel defekt wird das Konstrukt im Endeffekt durch seine eigene Unschlüssigkeit, worauf die Storyline sich nachhaltig konkretisieren möchte. Things Heard & Seen misslingt es, eine gesunde Balance zwischen seinen elementaren Versatzstücken zu finden. Dadurch wirken sie untereinander vollkommen asymmetrisch und apathisch, ein Aspekt dominiert grundlos und überschattet das Totale, verwirkt dabei aber trotzdem die Möglichkeit, herauszustechen. Im Tal der Blinden ist der Einäugige König. Ohne das Gewicht seiner Gesamtheit verkommt es jedoch zu einem bedeutungsschwangeren Wirrwarr. Im Dunkeln wird derjenige mit dem Streichholz zur Zielscheibe.

4.0
Punkte