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Karen (Aubrey Plaza) schenkt ihrem Sohn Andy (Gabriel Bateman) eine Buddidoll zum Geburtstag. Diese Puppe ist ein Hightech-Spielzeug der Firma Kaslan Corp, die von Henry Kaslan (Tim Matheson) entwickelt wurde und Andy eigentlich viel Spaß bereiten soll. Doch weder Karen noch Andy sind sich der unheimlichen Natur Chuckys nicht bewusst. Andy und sein bester Freund Omar (Marlon Kazadi) werden schon bald erfahren, dass es Chucky faustdick hinter den Ohren hat…
Regie: Lars Klevberg
Drehbuch: Tyler Burton Smith
Kamera: Brendan Uegama
Schnitt: Tom Elkins, Julia Wong
DarstellerInnen: Mark Hamill (Stimme), Aubrey Plaza, Brian Tyree Henry, Gabriel Bateman
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h30min
Genre: Horror
Verfügbar auf:
– Sky Go / Sky Ticket
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Wie viele andere Slasher hat sich Tom Hollands Chucky – Die Mörderpuppe aus dem Jahre 1988 zu einem Kultfilm des Genres etablieren können, auch wenn er nicht derart oft zur Sprache gebracht wird, wie andere namhafte Größen der Horrorszene. Redet man von den bedeutsamsten und populärsten Horrorfilmen, fallen eher Titel wie John Carpenters Halloween, Wes Cravens A Nightmare on Elm Street und allen voran Alfred Hitchcocks Psycho. Der Film selbst tritt gegenüber anderen Genrevertretern immer recht untergeordnet auf, dabei erachte ich ihn als einen genauso nennenswerten Ableger wie zum Beispiel Freitag der 13.. Er ist verspielt, witzig und unheimlich zugleich und hat einen fantastischen Bösewicht als Aushängeschild, den auch über den Filminhalt hinaus viele kennen: Chucky – Die Mörderpuppe. Deswegen hatte es mich sehr gefreut, als ein Reboot des kleinen Satansbraten angekündigt worden ist.

Lars Klevberg hat mit seinem Remake dabei aber nicht nur eine beliebte Horrorikone wiedererweckt, man hat die alte Prämisse um den im Strampelanzug sitzenden Voodoo-Knirps im Zuge des technischen Fortschritts unserer Zeit mittransferiert. Einerseits wurde damit auf clevere Weise der Anschein einer typischen 1:1-Kopie direkt kaschiert, man schafft ein technologisch-kritisches Hintergrundbild zugunsten eigener Präferenzen. Damit legt Child’s Play (2019) einen von Grund auf satirischen Unterton an, der immer mal wieder gekonnte Sticheleien ausübt. Schon die Einleitungssequenz in Form einer Fernsehwerbung, die den neuen, multifunktionalen und besten Freund Buddi und all seine technologischen Fähigkeiten vorstellt, weiß den Film direkt zu Beginn zu charakterisieren und ihm eine angenehm selbstironische Ausstrahlung zu verleihen. Diese wirkt nie zu erzwungen oder aufgesetzt und setzt neben ihren charmanten Mini-Aussagen lediglich den Rahmen für einen unterhaltsamen Horrorstreifen.
Besagter Horrorstreifen profitiert von der Modernisierung der verfluchten Puppe zur kompatiblen KI mit Möglichkeiten für verschiedene Verwendungen dieses Status, die zwar nicht bis zum vollen Potenzial genutzt werden, aber dafür auf praktischer Seite von einigen vereinzelten Ideen vollen Gebrauch machen. Auf Basis dessen hat man kreative Szenen, deren elektronische und vernetzte Gadgets auch gleich eine Menge Blut verlangen, denn in diesem Remake geht es alles andere als zimperlich zu. Die Killszenen überraschen teilweise sogar mit ihrer Brutalität und generieren mit praktischen Effekten den ein oder anderen Schockmoment.

©Metro-Goldwyn-Mayer

Neben der effektiven technischen Aufmachung hat man einen weiteren Vorzug, den der Großteil der Horrorfilme vermissen lässt: Sympathische Figuren. Die Charaktere sind jetzt nicht besonders auffällig oder fantastisch geschrieben, aber besonders der noch im Original als immenser Störfaktor auftretende Andy Barclay wird in diesem Film von Gabriel Bateman in einer erwachseneren, kessen aber auch liebenswerten Art sehr überzeugend verkörpert. Aubrey Plaza und Bryan Tyree Henry wissen in ihren Rollen ebenfalls zu überzeugen, wobei Henry aber auf den Part eines durchaus charismatischen, aber recht unnötigen Polizisten aufgeteilt wird, der dem Plot wie oft in Horrorfilmen eher etwas Wind aus den Segeln nimmt. Am meisten Charakterisierung erfährt erstaunlicherweise aber unser blutrünstiges Aushängeschild. Der fehlerhafte Buddi, kurz darauf selbsverständlich getauft “Chucky”, den Andy zur Seite gestellt bekommt, durchlebt während des Handlungsverlaufs eine interessante und gut inszenierte Entwicklung.

Handlungstechnisch ist all das letztendlich nur im Sinne des Horror-Aspekts konstruiert und unterliegt keinem größeren Zweck, aber der 2019er-Chucky bekommt mehr Persönlichkeit zugeschrieben, als andere Horrorfiguren – vor allen Dingen aus Remakes – von sich behaupten können. Die beachtliche Synchronisations-Arbeit von Mark Hamill trägt ihren Teil dazu bei, dass diese Gestalt zum Leben erwacht. Er wechselt oft von Sekunde Null auf Eins seine Stimmung, packt emotionale Momente aus und wird sofort wieder zur Bestie. Seine Leistung kommt für mich nicht ganz an Brad Dourifs Performance als Chucky heran und hält sich ebenfalls mit seinen charakteristischen One-Linern stark zurück, allerdings liefert Hamill ein mehr als solides Theater, bei dem sogar eine nette Star Wars-Referenz aus der Kiste gezaubert wird.

Nichtsdestotrotz stellt Child’s Play keine Offenbarung des Genres dar. Die Handlung bekommt durch den verinnerlichten Twist seines Antagonisten frische Züge, ist aber mehr spaßig als spannend. Das Gimmick verfällt gegen Ende hin immer mehr der Vereinfachung der Ereignisse, um sich selbst mehr Horrorszenen entlocken zu können, die auch allesamt reizvoll sind, aber nicht immer gruselig. Grusel ist allgemein ein Thema dieses Remakes. Child’s Play ist wie sein Original wahnsinnig unterhaltsam, einen vergleichbaren Horrorfaktor wie dieser erlangt Lars Klevbergs Version aber nicht. Audiovisuell zeigen sich diesbezüglich gewisse Mühen, aber außerhalb der Brutalität übertrumpft die Vorhersehbarkeit der Szenen ihren eigenen Terror. Auch über das Design des neuen Chucky kann man spekulieren. Oftmals fühlte ich mich beim Betrachten seines Gesichts auf die richtige Weise unbehaglich, allerdings erachte ich den Look dieses Chucky ebenso gewöhnungsbedürftig. Je nach Kameraeinstellung, Belichtung und Stimmung der Szene kann er tierisch furchteinflößend oder einfach lachhaft wirken.

©Metro-Goldwyn-Mayer

Man hat mit Child’s Play (2019) ein zufriedenstellend solides Remake geschaffen, das an horrortypischen Makeln leidet und demnach keinen konsequenten Nervenkitzel garantieren kann, allerdings einen originelleren Eindruck hinterlässt, als andere Horrorfilme. Der Cast spielt gut, inszenatorisch erlangt man durch individuelle Raffinessen ein kompetentes Mittelmaß und insgesamt schneidet das Messer dieser Neuverfilmung mit seiner Kurzweiligkeit und exquisiten Gewaltspitzen wie heißes Eisen durch Butter. Unter all den missratenen Horror-Remakes eine schimmernde Perle.