15. August 2020

Blumhouse-Horror, der sich mehr lohnt als Fantasy Island

Wenn Film- und Horrorfans an Blumhouse-Horror denken, dann schweifen die Gedanken schnell zu billigen Genre-Produktionen, die weder dem Genre noch dem Kino-Besucher einen sonderlichen Mehrwert bringen. Der Ruf des Produktionsstudios Blumhouse Productions ist tatsächlich unter Liebhabern alles andere als gut. Die Strategie des Kopfs von Blumhouse, Jason Blum: So günstig wie möglich produzieren, sodass selbst ein schlechter Run an den Kinokassen zumindest die Kosten wiedereinspielt. Der Best Case wird dagegen vom ersten großen Erfolg des Studios repräsentiert, ein Film, den jeder kennen wird, Paranormal Activity, der mit seinem Home-Video-Charme einen wahrhaftigen Found-Footage-Hype losgetreten hatte. Dazu kommt, dass das Studio in Sachen Drehbuch und Schnitt den Filmemachern zu keiner Sekunde reinredet.

So finanziell lohnenswert und so kreativ befreiend diese Strategie auch sein mag, so wenig garantiert sie gleichermaßen wirklich gute Filme. Im Gegenteil, wird eine neue Low-Budget-Horror-Produktion von Blumhouse angekündigt, werden die meisten Genre-Fans erst einmal laut aufstöhnen und mehr als nur skeptisch sein. Zu lange ist die Liste der mittelmäßigen, vergessenswerten Filme des Studios wie Ouija, The Purge, Wahrheit oder Pflicht oder das geradezu blasphemische Remake von Martyrs. Zu sehr ist Blumhouse für billige Jump Scares und andere Mainstream-Horrorklischees bekannt. So war es auch bei mir, als ich von Fantasy Island erfahren habe, ein Remake einer alten TV-Show aus den 70er Jahren – wieder Low Budget (7 Mio. $) und wieder ein vergleichsweise großer Erfolg an den Kinokassen (~50 Mio. $). Trotz meiner Skepsis habe ich vor einigen Tagen zwei Stunden meines Tages gewidmet, um Fantasy Island zu schauen, in der Hoffnung, eine schöne kleine Review für Movie Space schreiben zu können. Die Kurzfassung: Er war so schlecht, dass ich nicht mal darüber schreiben will. Stattdessen dachte ich mir, mich mal auf die positiven Seiten von Blumhouse zu konzentrieren, und euch 5 Tipps zu geben, welche Filme von Blumhouse Productions sich denn tatsächlich lohnen zu schauen.

Kleine Anmerkung: Ich konzentriere mich bei der Liste auf Horrorfilme, ein Whiplash oder ein BlackKklansman werdet ihr also hier nicht finden… 😉


5. Insidious (2011)

Der beste Ableger von Blumhouse Productions ist Insidious mit Sicherheit nicht. Letztendlich ist er klassische Bessenheit- und James-Wan-Kost, also mehr als solide inszenierter Mainstream, der sich nicht vor dem Ausleben von Genre-Stereotypen scheut. Warum sich Insidious aber lohnt, ist ganz einfach: Auch wenn Wan schon besseres gemacht hat – er versteht einfach, warum viele Horror-Tropes so gut funktionieren, wie sie funktionieren und er weiß sie, geschickt einzusetzen. So kommen auch bei Insidious mehr als nur eine Handvoll Szenen zusammen, die wirklich einprägsam sind. Der letzte Akt rüttelt ein wenig an dem sonst sehr soliden Gesamtwerk, anschaubar ist Insidious aber auf jeden Fall…


4. Der Unsichtbare (2020)

Hier bin ich ein wenig am Schummeln, denn ich habe Der Unsichtbare selbst noch nicht einmal gesehen. Was ich aber sehe, sind die fast ausschließlich guten bis sehr guten Bewertungen und Worte derjenigen, deren Meinung ich hoch schätze. Der Unsichtbare ist eine Verfilmung der Roman-Vorlage von H.G. Wells von 1897, in der es um eine Frau geht, die davon überzeugt ist, ihr missbrauchender Freund würde sie auch nach seinem Suizid noch verfolgen. Der Konsens in meinem Kreis: Regisseur Leigh Whannell schafft hier aus der alten Vorlage einen technisch hochwertigen Horror-Thriller, der wie kaum ein anderer vor Spannung an den Bildschirm fesselt, mit einer Elisabeth Moss in der bärenstarken Hauptrolle. Durch die aktuelle Situation gibt es schon seit kurzem einen verfrühten Heimkino-Start. Sollte ich mir genauso anschauen wie ihr!
Tims Review zu Der Unsichtbare


3. Creep (2014)

Wenn man Creep mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es Irrationalität. Der Found-Footage-Streifen folgt einem Hobbyfilmer, wie er die letzten Tage eines krebskranken Mannes, dessen Anzeige er im Internet gelesen hatte, dokumentieren soll. Dass das etwas aus dem Ruder läuft, könnt ihr euch denken. Mark Duplas verkörpert auf großartige Wese einen völlig irrational und chaotisch handelnden, undurchschaubaren Charakter, der den ganzen Vibe des Films ausmacht. Auch wenn Creep in Found-Footage-typische Fallen tritt, macht er das durch seine großartige Selbst-Reflexion, die ab und an schon an das Durchbrechen der vierten Wand grenzt, wett. Creep ist also ein zwar sehr minimalistischer, aber hoch-effektiv inszenierter Film, der durch seinen Protagonisten ziemlich weird, aber genau deshalb auch so sehenswert ist.


2. Oculus (2013)

Wer Oculus nicht kennt, wird überrascht sein, wenn er Mike Flanagans Film eine Chance gibt. So stereotypisch und Blumhouse-typisch die Prämisse auch klingt – ein verfluchter Spiegel sucht das Haus einer Familie heim -, Oculus ist so viel mehr. Mal abgesehen von der mehr als soliden Regie-Arbeit von Flanagan bietet Oculus nämlich eines der besten Drehbücher, die ich bei einem klassischen Horrorfilm bisher erlebt habe. Abgesehen davon, dass Oculus so gut wie nie in Logikfehler tappt, spielt Oculus ständig mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, damit, was real ist und was nicht. Dieses Verblenden von Realität und Fantasie mag heute ein fast schon abgenutztes Thema sein, Flanagan bringt es durch sein Skript und seine Inszenierung aber auf ein neues Level. Es ist selten, dass ich das sage, aber irgendwann hatte ich bei diesem Film wirklich Schiss.


1. Get Out (2017)

Man kommt nicht drumherum, Get Out als beste Blumhouse-Horror-Produktion zu bezeichnen. Zurecht spielte Jordan Peeles erster Feature-Film bei den Academy Awards 2018 eine große Rolle, zurecht hat er so eine hohe Stellung unter Fans eingenommen. Get Out ist ein scharfer, aber akkurater Kommentar über den Rassismus, der in zigfachen Andeutungen im Laufe des Films gedeiht. Dazu kommen mehr als geschickt engebaute komödiantische Passagen und ein Genre-Klimax, der sich gewaschen hat. Slow-Burn-Horror, der auf den Punkt gebracht ist.

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Daniel

Wenn ich ganz ehrlich sein muss, sind Filme noch gar nicht so lange mein Ding. Ich gehöre nicht zu der Fraktion, die schon mit 9 vor der Leinwand saß und sich mit seinem Vater über Bergman und Tarantino ausgetauscht hat - leider. Stattdessen habe ich mich immer wieder nur an Herr der Ringe und Star Wars gelabt und ergötzt, bis ich vor ungefähr drei Jahren endlich angefangen habe, etwas mehr Zeit dafür zu verwenden, aktiv Filme zu schauen. Ganz egal, welches Genre, welches Land oder welches Jahr. Und seitdem ist es aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Ich selbst studiere übrigens in irgendeinem Kaff in Ostdeutschland, komme aber eigentlich aus Landau in der Pfalz.

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