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Vier gescheiterte Existenzen in einem verlassenen Örtchen in Venezuela: Bimba, ein aus dem Arbeitslager der Nazis entkommener Deutscher, der Korse Mario, Smerloff aus Russland und Luigi, ein Italiener. In Las Piedras bleiben diejenigen hängen, die anderswo nicht mehr erwünscht sind. Ihre einzige Freude ist die Bar von Hernandez, in der die hübsche Kellnerin Linda arbeitet. Eines Tages kommt Jo ins Dorf und freundet sich mit Mario an. Sie verbindet ihre kriminelle Vergangenheit, durch die sie nicht mehr nach Europa zurückkehren können. Doch eine nahe gelegene Ölquelle ändert ihr Schicksal vollkommen.
© TMDB
Regie: Henri-Georges Clouzot
Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi
Schnitt: Madeleine Gug, Étiennette Muse, Henri Rust
Kamera: Armand Thirard
Schauspieler*innen: Yves Montand, Charles Vanel, Peter van Eyck, Folco Lulli
Produktionsjahr: 1953
Land: Frankreich, Italien
Sprache: Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Deutsch
Länge: 2h33min
Genre: Adventure, Thriller, Drama

Hat man schon mal ein Auto gesteuert, sind einem die Kinderkrankheiten der Straße geläufig. Rutschgefahr bei Nässe und Glätte, wackelnde Fahrten wegen Bodenschwellen oder mangelnder Sanierung und schwierige Steigungen können einem eine entspannte Spritztour bis zur Geschmacklosigkeit versalzen.

Für vier Männer bilden diese oftmals überwindbaren Hindernisse jedoch ein wortwörtliches Minenfeld, als sie ihre mit Nitroglycerin betankten Lastkraftwägen durch unebenes Terrain jagen und jeder Ruckler ihr letzter sein könnte. Mit dieser explosiven Prämisse eröffnet Lohn der Angst als französischer Klassiker des Survival-Thrillers die schleifende Hetzjagd durch unnachgiebige Beschaffenheiten. Allerdings sind es nicht einzig und allein die Aufgaben des Asphalts, bei denen es schlottert und lodert. Physische Hürden haben schließlich immer das Potenzial, an ihrer psychischen Interpretation zu wachsen.

Lähmende Angst

Der wahre Schrecken der Straße findet bereits vor dem Anlassen des Motors in den Köpfen der Charaktere statt. Vor dem Auftrag mit verheißungsvollem Entgelt sind sie noch Feuer und Flamme für den Coup. Alles, was es jetzt noch zu tun gibt, nachdem die Vorkehrungen getroffen sind, ist sich ans Lenkrad zu setzen, die Kupplung zu betätigen und loszurollen. Plötzlich fängt aber einer der unsicheren Männer an, den Wagen peinlichst genau zu inspizieren. Alle Reifen und Lichter werden mit der heimlichen Intention überprüft, einen Fehler zu finden, welcher dermaßen grob ist, dass der Start der Mission nicht möglich ist.

Fesselnd ist die konsequente Anspannung dieses Werkes, die in Teilen mittels der mentalen Verfassung der Protagonisten dargestellt wird. Nahaufnahmen von nervösen Angewohnheiten wie dem Spielen mit Streichhölzern oder Zerkauen von Zigarettenstummeln sind hierbei nicht nur als bloße Stressreaktion, sondern gleichzeitig als Metapher auf das gnadenlose Umfeld zu verstehen. Egal, wie sie handeln: Funken können sprühen, ein Entzünden selbiger ist nie fern.

Als würde die natürliche Selektion des Settings ihre Gemüter auf die Probe stellen, wagen die Figuren kaum noch zu blinzeln. Je näher sie ihrem Ziel kommen, desto mehr fließt der Schweiß. Sitzt man auf einer tickenden Zeitbombe, zieht frühzeitig das komplette Leben an einem vorbei. In einer Szene streiten zwei der Leidtragenden bezüglich ihrer Uneinigkeit zum weiteren Vorgehen. Der eine ist gewillt, sämtliche Risiken einzugehen, da der betriebene Aufwand nie und nimmer umsonst gewesen sein könnte. Immerhin tut er dies, um endlich aus dem Hier und Jetzt auszubrechen, Vergangenheit und Gegenwart wirken auf ihn wie ein Spiegelbild.

Der andere weigert sich, weiterzugehen. Lieber verweilt er an dieser Stelle und verzichtet auf die stolze Summe. Zu viel hat er bis zum gehobenen Alter gesehen, laut eigener Aussage ist er „verbraucht“. Unerwarteterweise ist es nicht nur die geniale Ausgangslage, die das Publikum mitreißt. Auch die existenzialistischen Unsicherheiten der Charaktere offenbaren tragische Persönlichkeiten, die lediglich nach einem Ausweg suchen.

Aufregende Schlaglöcher

Somit bannt der Film die Zuschauerschaft als Erzählung, fährt durch seine authentische Inszenierung aber nochmal größere Geschütze auf. Einstellungen von steinigen Schotterpisten und bösartigen Barrikaden kurbeln die Intensität stets auf ein Maximum und auch wenn sich aufgrund der instabilen Umstände überwiegend in untertourigen Drehzahlen fortbewegt wird, drückt die Spannung nie auf die Bremse.

Flexibilität und Kreativität sind gefragt, wenn beispielsweise ein verengter Bergpass das Durchkommen für das breite Vehikel unmöglich macht. Die Alternative bildet eine von morschem Holz durchzogene Transportplattform, die zwar an dem Pass vorbeiführt, das Gewicht des Fahrzeugs aber kaum halten kann. Bretter brechen, die Gravitation fordert ihren Tribut und die Furcht steht dem Fahrer ins Gesicht geschrieben. Entspannung sucht man bei diesem wilden Höllenritt vergebens.

Interessant ist bei all diesen Höhepunkten zusätzlich, dass Lohn der Angst auf einer ruhigen Note beginnt und die Charaktere sowie ihre Lebenswelt, die dort vorherrschenden gesellschaftlichen Diskrepanzen und den ökonomischen Kontext des Abenteuers bedächtig aufwickelt. Zwar stehen diese 40 Minuten dem Rest dieses Meilensteins in ihrem Effekt etwas nach, angesichts dessen, dass besagter Einstieg für sich alleinstehend aber ebenfalls durch bissige Satire überzeugt, kann dieser kleine Kritikpunkt als das größte Kompliment verbucht werden. Weder Airbag noch Sicherheitsgurt bewahren einen vor der Kollision mit einer Storyline, die immer wieder noch einen Gang hochschaltet.

9.0
Punkte