SynopsisCrewDetails
Nach einem verhängnisvollen Fehlschuss gerät ein skrupelloser Auftragsmörder auf der Jagd nach Vergeltung mit seinen Auftraggebern und sich selbst in Konflikt.
© TMDB
Regie: David Fincher
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
Schnitt: Kirk Baxter
Kamera: Erik Messerschmidt
Schauspieler*innen: Michael Fassbender, Tilda Swinton, Charles Parnell, Arliss Howard
Produktionsjahr: 2023
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h58min
Genre: Thriller, Crime

Einmal recken, einmal strecken; es steht ein kräftezehrender Job bevor. Nicht nur muss unser hauseigener, von einem Namen entledigter Auftragsmörder (Michael Fassbender) ein Ziel ausschalten, sondern zusätzlich seinem ahnungslosen Publikum die vergessenen Anforderungen seines Berufes schildern. Lange Wartezeiten, erschlaffende Muskeln sowie Nervenbahnen und konsequentes Nichtstun – manch einer darf überrascht sein, wie langweilig eine so aufregende Arbeit sein kann. Ungewöhnlich ist der Ansatz von Der Killer, denn er profiliert eine Branche auf extrem entschleunigte Weise, die sich in der Filmwelt vor Bombast und Spektakel kaum zu retten weiß: die Kunst des Tötens.

Planlos durch die Profession

Observieren, Pilates, die Füße stillhalten – zwar nicht unbedingt immer in dieser Reihenfolge, aber jene drei Aktivitäten beschreiben einen Großteil der Arbeit äußerst treffend. Wenn es jedoch zum magischen Moment, praktisch zur Stunde der Entscheidung schlägt, gibt es einiges zu berücksichtigen. Eine versteckte Position, die ruhige Körperhaltung und eine niedrige Herzfrequenz bilden das Fundament eines jeden erfolgreichen Abschusses. Mit cooler Gelassenheit tritt der Erzähler seiner eigenen Geschichte vor diesen Moment…und verfehlt? Unglaublich, aber wahr.

Der Auftrag ist gescheitert und plötzlich weiß der Killer nicht mehr, wie er reagieren soll. Versagen hat bisher nie in seinem Lebenslauf gestanden, dafür operiert er zu vorsichtig und gewissenhaft. Und doch hat er sein Ziel nicht getroffen – ein Zustand, mit dem er sich nun abfinden muss. David Fincher wählt dabei eine ungewöhnliche Charakterisierung für seinen Protagonisten, denn präsentieren tut er die disziplinierte Allzweckwaffe wie einen absoluten Niemand. Weder prahlt er damit, besonders gut in seinem Job zu sein, noch verspricht er übermäßige Intelligenz oder Schlagfertigkeit. Er ist einfach nur konzentriert und stets lösungsorientiert.

Das Drehbuch macht sich die Demontierung eines Geistes zu eigen, welcher in seinem Denken wie auch Handeln geringfügig bis unmöglich aus der Fassung zu bringen ist. Interessant ist Finchers Kehrtwende auf konventionelle Figurengebilde des wortkargen und unzugänglichen Assassinen, weil dieses Prachtexemplar nicht gesprächiger und offener sein könnte. Der Hauptcharakter rekapituliert seine eigenen Mantras, weiß allerdings in der momentanen Lage kaum etwas damit anzufangen. Helfen können sie gelegentlich schon, doch auf Dauer sieht er sich mehr und mehr zu einem seiner größten Tabus gezwungen: Improvisation. Bodenständig widmet Fincher dem Charakter viel Kälte und Gleichgültigkeit, was aber nicht nur zugunsten des Produktes ausfällt.

Streifschuss statt Volltreffer

Auch wenn es auf den ersten Blick dumm klingt, etwas zu kritisieren, was ein Film absichtlich als Thematik aufgreift und dazu auch noch gut umsetzt, muss nicht automatisch jeder Effekt zünden, nur weil er einer klaren Intention entspringt. Zu Beginn löst die nihilistische Herangehensweise nämlich noch herbe Faszination aus, mit dem weiteren Verlauf der Handlung breitet sich aber eine Ernüchterung aus, die beinahe schon zu authentisch auf das Gezeigte übertragen werden kann.

Trotz einer stilsicheren Inszenierung verfehlt der Protagonist und dessen Werdegang einen tieferen Angelpunkt, als ein eventuelles Zollen von Respekt für den Ansatz. Zu klischeehaft sind dafür die Höhepunkte seines Verfahrens, zu steif die Vortragsweise des selbigen. Die konstante Stimme über den Bildern entmystifiziert Geschehen und Charakter gleichermaßen bis zu einem Punkt, an dem die toten Krallen des spannenden Komplotts ihren Griff lockern und daraufhin auch nicht mehr festigen. Wie der Hauptcharakter steht die Zuschauerschaft allem vollkommen objektiv und fremd gegenüber, ohne wahrlich in die kalkülen Taktiken und eisgekühlten Bilder investiert zu sein.

Als Kultregisseur und Großmeister des Thrillerkinos beweist David Fincher abermals ein Händchen für einen tristen, grummeligen und pessimistischen Kosmos, dennoch reitet Der Killer hingegen der löblichen Perspektive in trockener Manier ein und dieselbe Welle. Atmosphärisch ist dem Konstrukt weniger abzuleiten, als man erwarten könnte und insbesondere in der schlaffen Abarbeitung von Involvierten bleibt dieser Film der Idee treu und setzt sie im Grunde genommen auch gekonnt um, verliert nichtsdestoweniger an seiner eindringlichen Wirkung. Da kann Michael Fassbender die empathieresistente Attitüde des Protagonisten noch so souverän verkörpern: Ohne einen gravierenden Fehler zu begehen, unterfordert diese Mission.

DER KILLER IST SEIT DEM 10. NOVEMBER 2023 BEI NETFLIX VERFÜGBAR

6.0
Punkte