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Da ist sie also endlich, die jahrelang heißersehnte Schnittfassung von Zack Snyders Superheldenfilm Justice League. Die Geschichte rund um Batman, sein zusammengestelltes Superheldenteam und den gemeinsamen Kampf gegen das Böse wird erneut erzählt. Nach dem Debakel über die unvollständige und zerrüttete Kinofassung im Jahr 2017 soll nun diese umfangreichere Version alles retten. Den einstigen Film, die Würde seiner im Original stiefmütterlich behandelten Figuren – und die Fanherzen. Eine schwierige Aufgabe. Bewältigt Snyder sie?
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Chris Terrio, Zack Snyder, Will Beall
Schnitt: David Brenner
Kamera: Fabian Wagner
Schauspieler*innen: Ben Affleck, Henry Cavill, Gal Gadot, Jason Momoa, Ezra Miller, Ray Fisher, Amy Adams, Jeremy Irons, Connie Nielsen, Diane Lane, J.K. Simmons, Ciarán Hinds, Amber Heard
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 4h2min
Genre: Superhelden, Action, Science-Fiction

Kein Film kommt ohne Skandal aus. Zumindest nicht bei Warner Bros., wenn es um ihre Comicverfilmungen geht. Ständig treten während der Produktion oder nachträglich unrühmliche Begleiterscheinungen ans Licht, welche jedes Mal die Fans auf die Barrikaden stürmen lassen. Besonders geplagt war ausgerechnet die Kinofassung von Justice League 2017. Zusammengefasst könnt ihr die einstigen Pläne für das Filmuniversum hier nachlesen. Nachdem Snyder ein Familienunglück heimsuchte, sprang Joss Whedon auf den freien Regieposten und drehte sämtliche Szenen nach, biss bei Fans und Kritikern damit aber auf Granit. Heute wird Whedon an sämtlichen Filmsets Machtmissbrauch vorgeworfen – noch eine Hiobsbotschaft.

Jetzt hat das Warten aber ein Ende. Die vierstündige Schnittfassung, Snyders einstige Vision, flimmert über die Heimkinobildschirme. Doch beim Schauen deckt sich ein riesiges Problem auf, das den Film nahezu unverzeihbar missgestaltet; alles im Zusammenhang mit einer simplen Frage: Ist Snyders Version besser als Whedons verunglimpfte Kinofassung? 

Alte Krankheiten, neue Lethargie

Eisige Berge überquerend blickt der Milliardär Bruce Wayne/Batman die Klippen seiner letzten Hürde herab auf ein kleines Fischerdorf. Seinen Zielort hat er erreicht. Ein Mann mit außergewöhnlichen Fähigkeiten soll regelmäßig Schiffbrüchige retten. Bruce braucht ihn und noch viele weitere Menschen mit speziellen Fähigkeiten, die er zusammen mit Diana Prince/Wonder Woman aufsucht. Bald bricht ein Krieg aus. Einen, den nur Superhelden zu gewinnen in der Lage sind.  Als Bruce die örtliche Bar betritt, erweist sich nicht nur das Wetter als kühl. Ruhe, Stille, Beharrlichkeit. Damit lassen sich die ersten zwei Stunden von Justice League am besten resümieren. Es wird sich in den unterkühlten Kameraeinstellungen Zeit gelassen. Zu viel, wie sich herausstellt.

Was in den handlungsübergreifenden Filmen vor Justice League nicht zu genüge thematisiert wurde, fällt Snyder hier auf die Füße. Durfte Batman noch an der Seite von Superman einen Film zuvor auftreten, haben andere Figuren es sichtlich schwerer. Um einer Armee von Aliensoldaten zu trotzen, reichen Batman und Wonder Woman nicht. Der Film heißt Justice League. Eine Gerechtigkeitsliga kann nicht nur aus zwei Personen bestehen, schließlich tun das auch die gleichnamigen Comics nicht. Es müssen sich mehr vereinen. Deshalb holt der Drehbuchautor Chris Terrio weitere Figuren aus dem Zauberhut, jedoch kamen diese in vorherigen Filmen nicht vor. Ein fataler Fehler. 

Die einstigen Versäumnisse waren schon in der Kinofassung spürbar, doch mit Snyders Version erlischt der Traum nach mehr Konsistenz der hinzukommenden Figuren. Zwar bekommt jeder Charakter mehr Zeit auf dem Bildschirm zugesprochen, wirklich zu helfen wissen die neuen Szenen jedoch nicht. Barry Allen als The Flash circa zwanzig Minuten mehr zu widmen, ersetzt weiterhin keinen Film, der diesen Helden als Hauptfigur inszeniert hätte. Das gilt für alle eingeführten Figuren, also dreien von sechs! Sie bekommen mehr Kontur, aber greifbare Tiefe – nein die haben sie immer noch nicht. 

Wie auch? Schließlich muss im Groben die gleiche Geschichte der Kinofassung nochmal erzählt werden, nur in deutlich längerer Form. An Effizienz mangelt es immer noch. Eine klare Motivation hat Barry weiterhin nicht, Bruce Waynes Superheldenprojekt beizutreten. Der Charakter Cyborg ebenso wenig. Dadurch kristallisieren sich die von Warner Bros. eingekauften Comicfiguren als unfreiwillige Prostituierte – und das im allernegativsten Sinne. Daran ändern auch die Fanservice-Einbindungen nichts, die so schnell wieder verschwinden, wie sie eingesetzt werden.

Während die Superhelden sich also auch in der neuen Fassung eher mit Skizzen als Gemälden vergleichen lassen, hält das Drehbuch ebenso wenig für seine Bösewichte bereit. Insgesamt werden über vier Stunden drei Metalltruhen von den Helden gesucht und beschützt. Demnach hat Zack Snyders Justice League mit jeder verstreichenden Minute weniger zu bieten. Neue Szenen ergeben keine umfangreichere Ausgangslage für den erzählten Konflikt, sind somit meist in Gänze überflüssig. Nahezu alle Krankheiten des mängelaufweisenden und rasanten Originals haben es auch in die gemächliche Neufassung geschafft. Zu wenige Geschehnisse profitieren von Snyders neuer Verpackung. Diesen sinnvollen, an einer Hand abzählbaren Szenen fehlt jedoch ein stimmiger Aufbau oder Anschluss des Filmmaterials, wenn es mal nicht direkt aus dem Rechner entspringt. 

Gerade die überladenen Bilder sind die größte Schwäche – schon wieder. Irgendwie hat es sich durchgesetzt, dass entsättigte Farbfilter, jetzt auch noch ein 4:3-Format und überschwänglich inszenierte Symbolik reichen, Fans in Ekstase zu versetzen. Gefeuert wird nicht aus allen Rohren, sondern aus dem größten. Vorschlaghammergleichend wummert Snyder seine hundsmiserable und aufgeplusterte Metaphorik in die Schädel der Zuschauer:innen. Subtilen Methoden der Filmkunst, die im Unterbewusstsein ein Gefühl zu wecken vermögen, wird keine Beachtung geschenkt. Ein Frontalangriff auf die Netzhaut muss reichen.

Besorgniserregende Begleiterscheinungen

In Anbetracht der Produktionsumstände von Zack Snyders Justice League könnten die Verehrer des Regisseurs wahrscheinlich nicht glücklicher sein, wieder eine überlange Bildseuche anzusehen. Warner Bros. zeigt sich erstaunlich offen gegenüber dieser Fangemeinde, sodass man schon von einer Mitsprache reden kann. Nur durch die lauten Formierungen via soziale Netzwerke und den entworfenen Gerüchten, die sich aus in Interviews getätigten Nebensätzen bildeten, ließ Warner Bros. Snyder ein weiteres Mal seine Superheldenvision exerzieren. 

Dieses Mitspracherecht entlarvt eine Problematik, die durch Snyders Fassung eine weitaus höhere Stichflamme entzündet als sämtliche Produktionen vor ihr. Auch wenn hier immer von einer Vision gesprochen wird – das ist sie nicht. Es ist eine weitere Anbiederung, Verwendung und Tiefpunkt einer Franchise. Eine Schande ist es, wie Warner Bros. mit ihren Comicverfilmungen es schafft, diese Fassung als ein neues Produkt zu verkaufen, obwohl das nahezu Gleiche keine vier Jahre vorher in den Lichtspielhäusern zu sehen war. Nie war eine Franchise inkonsistenter umgesetzt worden als von diesem Filmstudio. 

Vielleicht wurden die Herzen erblindeter Fans wirklich mit dieser Schnittversion erobert. Aber zu welchem Preis? Wie weit wird in Zukunft die künstlerische Freiheit der Regisseure verringert?  Müssen Gruppen sozialer Netzwerke auch in den kommenden Jahren nur laut genug schreien, bis sie ihre Schnittversion bekommen, die sie nicht beim ersten Mal erhielten? Wenn eines nach dem Abspann klar ist, dann dass Zack Snyders Justice League eine vierstündige Qual für alle darstellt, die sich einen besseren Film erhofft haben. 

Aufgeplustert bis zum Platzen, bedeutungsschwanger bis zum Abwinken und eine Zeitverschwendung ohne Ende. Das, was das zusätzliche und erweiterte Filmmaterial erzählt, rechtfertigt keine vierstündige Laufzeit. Während über die Comicfiguren nochmal die Hochverratsdampfwalze rollen darf, enttäuscht das aufgeblasene Superhelden-Epos mit seinem müßig andauernden Start und spannungslosen Finale. Denn eigentlich zeigen die 242 Minuten lediglich, dass Filmstudios wirklich alles wiederholt prostituieren können, sie müssen nur dreist genug sein. Tragischerweise war mit der Kinofassung schon alles gesagt: Nichts.

Yarons Meinung: Auch wenn ich nicht ganz überzeugt bin, möchte ich dennoch meinen Glückwunsch an die Fans ausrichten, die der Snyder Cut begeistern wird. Mir war der Film stellenweise zu lang, manche schlechten Eigenheiten der Kinofassung wurden leider übernommen und mit einigen der Charaktere kann ich mich leider immer noch nicht anfreunden. Das CGI ist wiedermals nicht perfekt, doch hier wird es durch Snyders Stil, Action einzufangen und vor allem durch die neu gewählte Aspect Ratio erträglicher. Auch wenn er mit Sicherheit nicht perfekt ist, macht der Snyder Cut definitiv mehr Spaß als die Kinofassung und erzählt die Geschichte als lautes, opulentes, manchmal auch zu überwältigendes aber größtenteils funktionierendes Epos.

Daniels Meinung: Nach einer katastrophal uneinsen Kinofassung wirkt der Snydercut wie aus einem Guss. Er treibt mit einem geradezu perfektem Tempo durch epische vier Stunden Laufzeit, die sich trotz der vielen Exposition nie lange anfühlt. Snyder gibt endlich allen Charakteren den nötigen Raum, der ihnen in der Kinofassung gefehlt hat. Die bisweilen immer noch schundhafte Optik außen vorgelassen macht der Snydercut aus meiner Sicht so ziemlich alles besser als Whedons Version.

4.0
Score

Moritz Wertung
4.0
Yarons Wertung
6.0
Daniels Wertung
7.5
Tims Wertung
8.0