30. Oktober 2020

Peninsula – Review

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Vier Jahre nach der Zombie-Apokalypse hat sich das Virus nun auf der gesamten Halbinsel Korea ausgebreitet. Der Soldat Jung-seok entkam damals nur knapp der Hölle. Mittlerweile führt er ein trostloses und zurückgezogenes Leben in Hongkong. Eines Tages erhält er jedoch ein erstaunliches Angebot: Er soll mit einer Gruppe Söldnern auf die unter Quarantäne stehende Halbinsel zurückkehren und in Seoul einen LKW finden und die Ladung sichern.
Regie: Yeon Sang-ho
Drehbuch: Yeon Sang-ho, Ryu Yong-jae
Kamera: Lee Hyung-deck
Schnitt: Yang Jin-mo
DarstellerInnen: Kang Dong-won, Lee Jung-hyun, Lee Re, Kwon Hae-hyo
Land: Südkorea
Sprache: Koreanisch
Länge: 1h54min
Genre: Thriller, Horror, Action
Aktuell im Kino

Mit Peninsula präsentiert der Südkoreaner Yeon Sang-ho den Nachfolger einer der beliebtesten Zombie-Hits der vergangenen Dekade in den Kinos: Train to Busan erfand das Untoten-Rad nicht neu, überzeugte aber mit einem frischen, klaustrophobischen Setting, subtiler, klassisch südkoreanischer Gesellschaftskritik und einigen der intensivsten und emotionalsten Szenen, die man im Genre bis dato erleben konnte. Damit ist es kaum verwunderlich, dass Peninsula selbst in Europa von vielen voller Vorfreude erwartet wurde. Dass Yeons neustes Machwerk im Gegensatz zu seinen Vorgängern die Sélection Officielle von Cannes aufgenommen wurde, lässt da nur noch mehr hoffen. Tatsächlich macht Yeon damit aus seiner Train to Busan-Reihe eine Trilogie, zählt man den (eher mittelmäßigen) Animationsfilm Seoul Station aus dem gleichen Jahr dazu.

Eine wirkliche Verbindung zwischen den drei Teilen gibt es aber tatsächlich nicht. Gemein haben alle drei Filme neben demselben Regie-Hauptmann lediglich, dass sie in der gleichen Welt spielen, nur eben leicht zeitversetzt. So sehen wir auch in Peninsula, der vier Jahre nach den Ereignissen in Train to Busan spielt, keinen einzigen der bekannten Charaktere wieder. Zugegeben: so viele sind ja auch nicht mehr übrig. Querverweise müssen aber selbstverständlich nicht verpflichtend sein, wenn man Peninsula eher als spirituelle denn als direkte Kontinuation betrachtet (wobei dann der Pre-Title Train to Busan Presents, den der Film in der USA verpasst bekommen hat, besser hätte weggelassen werden sollen).

Darauf, dass Peninsula adäquat in den Busan-Fußabdruck treten könnte, hofft man vor allem nach einem mehr als gelungenen Einstieg. Das Setup des Films gelingt Yeon auf ganzer Linie: Ein junger Mann flieht gemeinsam mit seiner Familie mit vollem Druck auf dem Gaspedal vor der frisch ausgebrochenen Seuche in Südkorea, ignoriert die Hilfeschreie einer klagenden Familie am Straßenrand, nur um dann im beengten, überfüllten Flüchtlingsschiff seine Familie an ebenjene Krankheit zu verlieren, vor der eigentlich zu fliehen versuchte. Der Start ist pathetisch, erinnert aber wohlwollend an die gelungensten Szenen von vor vier Jahren – mit hohem Tempo, gefährlichen Zombies, beklemmenden Schauplätzen und emotionalen Verlustsituationen.

Bedauerlicherweise bleibt es bei den ersten 20 Minuten, in denen Peninsula an die Stärken seines Vorgängers und Vorbilds heranreicht. Denn sobald es nach Seoul geht, dem Hauptschauplatz der folgenden anderthalb Stunden, bleiben weitere Positiv-Erlebnisse größtenteils aus. Stattdessen lässt der Regisseur seinen Film zu einem unerwarteten, gewöhnungsbedürftigen Genre-Wandel führen. So wäre ein ebenso adäquater Filmtitel beispielsweise “Fast & the Furious: Die Untote Klapperschlange” gewesen. So wirken die ständig wiederkehrenden Actionsequenzen mit fahrbarem Untersatz zwar tatsächlich schnell, gleichzeitig machen sie einen als Busan-Fan mit ihrem haarsträubend schlechten und unrealistischen Look zur Furie. Die CGI-Spielzeug-Autos brettern von 0 auf 100 in einer halben Sekunde über Zombiehorden hinweg als wären sie kleine Plastikfigürchen, dass man immer wieder in Frage stellt, wie ernst Yeon die Prämisse seines Films eigentlich noch nimmt. Er degradiert seine im Vorgänger so gefährlich wirkenden Untoten zu einer lächerlichen Randnotiz, die nur in klischeebehafteten Arenakämpfen wirkliche Auftritte bekommen.

Peninsula erinnert mit seinem exzessiven Einsatz von Spezialeffekten, ins Absurde überzogenen Actionsequenzen und seiner übrigens völlig fehlenden Spannung viel mehr an generisches Bombastkino der 10er-Jahre. Als wäre Yeon vom Erfolg des Vorgängers verblendet worden, um sich jetzt – die Scheinchen des Studios vor den Augen – dem klassischen Hochglanz-Blockbuster zu widmen, anstatt eine passionierte Endzeit-Geschichte zu erzählen. Auch von den zwar schablonenhaften, aber toll in Szene gesetzten Charakteren und den hart erarbeiteten emotionalen Spannungsspitzen ist in Peninsula rein gar nichts übrige geblieben. Stattdessen wird versucht, sich mit Pathos über Pathos in die Tränendrüsen der Zuschauer zu schleichen. Den ein oder anderen wird es vielleicht ergreifen, viel dahinter steckt aber nicht.

Wichtig ist also, seine Erwartungen vor dem Schauen von Peninsula dem Film entsprechend anzupassen. Geht man mit der Vorstellung eines eigenständigen, anspruchlosen Zombie-Blockbuster zum Berieseln ran, kann man mit der Auto- und Arena-Action durchaus seinen Spaß haben. Hofft man jedoch auf eine ebenbürtige Fortsetzung von Train to Busan, wie der Film ja auch verkauft wird, sollte man sich darauf gefasst machen, bitter enttäuscht zu werden. Peninsula ist aus meiner persönlichen Sicht ein trashig anmutendes CGI-Fest geworden, das nur schwer ernst zu nehmen ist. Wer sich das von einer Untoten-Dystopie erhofft, wird möglicherweise genügend Vergnügen daraus ziehen können. Alle anderen dürfen passen.

AB DEM 08.10. IN DEUTSCHEN KINOS

4

Schwach

4.0/10

Pros

  • Starker Anfang
  • Einige unterhaltsame Szenen sind dabei

Cons

  • Trashige Optik
  • Mehr "F&F" als "Train to Busan presents"
  • Degradierung der Zombies
  • Belanglose Charaktere
  • Belangloser Plot
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Daniel

Wenn ich ganz ehrlich sein muss, sind Filme noch gar nicht so lange mein Ding. Ich gehöre nicht zu der Fraktion, die schon mit 9 vor der Leinwand saß und sich mit seinem Vater über Bergman und Tarantino ausgetauscht hat - leider. Stattdessen habe ich mich immer wieder nur an Herr der Ringe und Star Wars gelabt und ergötzt, bis ich vor ungefähr drei Jahren endlich angefangen habe, etwas mehr Zeit dafür zu verwenden, aktiv Filme zu schauen. Ganz egal, welches Genre, welches Land oder welches Jahr. Und seitdem ist es aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Ich selbst studiere übrigens in irgendeinem Kaff in Ostdeutschland, komme aber eigentlich aus Landau in der Pfalz.

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