30. Oktober 2020

The New Mutants – Review

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Fünf Jugendliche werden gegen ihren Willen in einer geheimen Einrichtung festgehalten, wo sie unter dem Vorwand ihres persönlichen Wohls etlichen Tests ausgesetzt sind. Schon bald finden sie jedoch den wahren Grund für ihren Aufenthalt heraus: Sie sind Mutanten und verfügen über übernatürliche Fähigkeiten, die für die Forschung von großem Interesse sind. Kurzerhand nennen sie sich in Magik, Wolfsbane, Mirage, Cannonball und Sunspot um. Sie vereinen ihre Kräfte, um der Anstalt zu entfliehen.
Regie: Josh Boone
Drehbuch: Josh Boone, Knate Gwaltney
Kamera: Peter Deming
Schnitt: Robb Sullivan, Matthew Rundell, Andrew Buckland
DarstellerInnen: Blu Hunt, Maisie Williams, Anya Taylor-Joy, Charlie Heaton, Henry Zaga
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h34min
Genre: Adventure, Action, Horror, Superhelden
Aktuell im Kino

Es ist nicht ganz in der Art vonstatten gegangen, wie man es sich aus Position des Filmteams wünschen würde, aber dieser Film hat bereits vor seiner Veröffentlichung gewissermaßen Geschichte geschrieben. Dass ein Film seinen Produktionsschwierigkeiten unterliegt und damit Konsequenzen für seinen Release, sein Team oder gar seine Qualität einhergehen, ist im Business alles andere als ungewöhnlich, doch dieser Kandidat schien den Begriff der Produktionshölle auf eine völlig neue, noch nie dagewesene Stufe zu heben. Unzählige Unstimmigkeiten, welche besonders das Drehbuchs betrafen, sorgten für ein ständiges Auseinanderstecken und neu Zusammenfügen, erneute Dreharbeiten und starke Umstrukturierungen dessen, was für ein Film das finale Produkt doch letztendlich werden sollte. Als Reaktion kursierte im Internet bereits ein Running-Gag, der schon bald zum Gerücht werden sollte: Wird New Mutants jemals das Tageslicht erblicken?

Die Warteschleife erstreckte sich über sechs Jahre, bis dann das für unmöglich Geglaubte eintraf: August 28, 2020 (Starttermin der USA). Nach einem derart frustrierenden Ablauf der Ereignisse könnte man meinen, dass eine kurze Pause zum Verschnaufen gegeben sei, doch man soll bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Denn als wäre das bereits getragene Päckchen nicht Last genug, handelt es sich bei diesem Film um den nächsten Ableger des X-Men-Universums. Dahingehend trug der Film nach allem immer noch eine ziemliche Verantwortung gegenüber einer nicht gerade außer Acht zu lassenden Fanbase. Zugegeben: Ich hätte nicht an der Stelle von Josh Boone (Stuck in LoveDas Schicksal ist ein mieser Verräter) stehen wollen. Der noch recht aufstrebende Regisseur war einer ordentlichen Herausforderung ausgeliefert. Nicht nur ging es um die Weiterführung einer bestehenden Filmreihe, er wollte auf Basis dessen eine neue Richtung für besagte Filmreihe einschlagen. Ein Vorhaben, welches vom Prinzip her schon sehr zu begrüßen ist. Denn auf dem Papier kann das Universum der mit Superkräften bestückten Menschen, auch “Mutanten” genannt, potentiell viel für einen Horrorfilm hergeben. 

©20th Century Fox

Als Setting wird eine Form einer geschlossenen Anstalt gewählt, welche unbekannt lokalisiert und scheinbar abgeschieden von der Zivilisation liegt. Nach einem unerbittlichen Schneesturm, der ihr Heimatdorf in Schutt und Asche gelegt und sie als einzige Überlebende hinterlassen hat, findet sich die junge, von cheyennischer Abstammung kommende Danielle in jener Anstalt wieder. Verwaist, verängstigt und an ein Bett gekettet. Im ersten Moment sieht sie noch keinen Zusammenhang der Geschehnisse und ihrer jetzigen Situation, aber dies ändert sich schnell. Als einer von fünf Teenagern beherbergt die Institution Dani als eine junge Person mit außergewöhnlichen Talenten. Nach nicht mal einem Tag erfährt Dani die Wahrheit über ihr Dasein – sie ist eine Mutantin mit einer noch unentdeckten Kraft. 

Das Ambiente verheißt in den seltensten Fällen etwas Gutes. Man bewegt sich hierbei keineswegs auf unerforschtem Terrain, dennoch bleibt es weitestgehend stimmig und effektiv. Kalte Korridore, uneinsichtige Winkel und sterile Räume vermitteln immer eine nüchterne Distanz von Sicherheit in Horrorfilmen, obwohl sie eigentlich genau dazu konstruiert sind, das Gegenteil zu suggerieren. Sich sein Ambiente zunutze zu machen, schafft New Mutants aus der Perspektive des Horrorfilms aber nicht wirklich. Tatsächlich verpasst der Film es sowohl visuell, als auch erzählerisch eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Aber wie schlimm kann das für das Gesamtwerk schon sein? Das Produktionsdesign des Filmes erreicht definitiv ein durch und durch solides Niveau. Die Kameraarbeit bietet flüssige Fahrten und glänzende Shots und entzieht dem Szenario nicht alles seiner krankhaften Mysterie. Nicht jeder ansehnliche Horrorfilm ist unbedingt gruselig. Darin hingegen spiegelt sich jedoch wieder, dass eine akzeptable Norm eines Genres für Ausnahmefälle fatale Folgen haben kann. 

Bei manchen Filmen kommt es nicht in erster Linie auf ein gutes oder schlechtes Resultat an, wenn das Prädikat “enttäuschend” dasjenige darstellt, welches ihm das Genick brechen kann. Und ein Film aus dieser Schublade ist nun leider New Mutants. An und für sich handelt es sich um keinen furchtbar schlechten Film. Er passiert die Szene als ein okayer Mainstream-Horrorfilm. Dies wäre einem Film immer noch zu verzeihen, hätte er sich nicht den Titel der X-Men auf die Stirn geklebt. Wie gesagt: New Mutants ist ein kompetent produzierter Horrorfilm. Betrachte ich ihn jetzt aber als den nächsten Teil des X-Men-Universums und inwiefern er dieses in einem Genre außerhalb seines eigentlichen Umfelds etablieren möchte, fällt er stark ab. Und hier beißt es den Film doch wieder zurück, dass er nicht viel mehr als ein kompetent produzierter Horrorfilm bleibt.

Fangen wir dabei nochmal bei der Prämisse des Filmes an: Ein von Insassen mit Superkräften besetztes Psychatrie- oder Krankenhausgebäude, welches die Inassen einzig und allein zum Schutz ihrer selbst und anderer aufnimmt. Klingelt da irgendwas? Richtig, M. Night Shyamalans Glass. Obwohl dieser sich nicht als Horrorfilm rühmt, versteht er es wesentlich besser seine Karten auszuspielen und dadurch Atmosphäre aufkommen zu lassen. New Mutants dreht sich auf sichere Entfernung um ein derartiges Klima herum. Im Verlauf entfesselt (versucht) er den Grusel durch albtraumhafte Begegnungen, erlangt damit aber wenig. Die physischen Konfrontationen helfen dem Grundton des Filmes kaum.

Darüber hinaus gehören noch weitere Aspekte zum Mix. Da wären einerseits die omnipräsenten Coming-of-Age-Elemente, mit denen der Regisseur vorher schon Erfolg hatte, und die bekannten Themen der X-Men-Filme wie die Furcht vor einem selbst, ihr Platz in der Gesellschaft oder die reellen Chancen auf Freiheit. Ersterer Punkt verläuft über die Charaktere der jungen Mutanten, die ihre individuelle Biographie während der Laufzeit darlegen. Auch hier hat man attraktive Anhaltspunkte für gelungenes Storytelling. Diese Teenager werden von ihrer Vergangenheit verfolgt, leben in Angst vor sich selbst und wurden ihres Zuhauses und der Familie beraubt. Trotzdem verrennt sich das Skript in mäßigen Dialogen und einer mangelnden Exposition. Bis auf ihre Erlebnisse haben die Figuren kein Fleisch auf den Rippen und wirken blass. Durch die engagierten Darsteller wie zum Beispiel Charlie Heaton (Das Geheimnis von MarrowboneAs You Are) oder die inzwischen sehr gefragte Anya Taylor-Joy (The WitchVollblüterSplit) erfahren diese zwar ein angenehmes Charisma und auch eine gewisse Gruppendynamik ist vorhanden, die Erzählung schafft es aber nie über sich hinaus zu wachsen. Selbes gilt für die Thematiken sonstiger X-Men-Verfilmungen. Die Ansätze werden kopiert und ohne die Expertise voriger Vertreter transferiert. Gerade gegenüber ihnen lässt sich das Fazit zu New Mutants blendend reflektieren: Er ist belanglos.

Von einem Totalausfall kann hier nicht die Rede sein. New Mutants ist kein grottenschlechter Film, er ist schlichtweg ein wahnsinnig plumper. Mit seinen überschaubaren anderthalb Stunden bekommt man stramme Unterhaltung mit überzeugenden Darstellern und nicht gerade berauschendem aber durchaus opulentem CGI. Zusammengefasst lässt sich New Mutants als gut gemachte Stangenware bezeichnen. Nur hat er sich das falsche Vermächtnis ausgesucht, um nicht mehr als Stangenware zu sein.

SEIT DEM 10.09. IN DEN DEUTSCHEN KINOS

4

Schwach

4.0/10
Dorian

Dorian

Dorian hat übrigens auch seinen eigenen Film-Podcast 'And In Case I Don't See'. Schaut auf Twitter bei @AndFilmpodcast vorbei!

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