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Der ehemalige UFC-Kämpfer Dalton nimmt einen Job als Türsteher in einem Road House auf den Florida Keys an, nur um festzustellen, dass dieses Paradies nicht so ist, wie es scheint.
© TMDB
Regie: Doug Liman
Drehbuch: R. Lance Hill, Anthony Bagarozzi, Charles Mondry
Schnitt: Doc Crotzer
Kamera: Henry Braham
Schauspieler*innen: Jake Gyllenhaal, Daniela Melchior, Conor McGregor, Billy Magnussen, Jessica Williams
Produktionsjahr: 2024
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 2h1min
Genre: Action, Thriller

In einer Kneipe im Herzen der Florida Keys kommen nur die Harten ins Korallenriff. Tägliche Schlägereien sorgen dafür, dass die Inhaberin Frankie (Jessica Williams) jeden Morgen die gesamte Bude grundsanieren muss. Schnell beschließt sie, dass der anhaltende Zustand zur chronischen Krankheit ihres Etablissements wird und es Zeit wird, etwas Grundlegendes zu ändern. Ein neuer Rausschmeißer wäre da schon mal ein guter Anfang.

Keine fünf Minuten an einem Kampfplatz verbringt sie und findet ihren Schutzengel, hören tut dieser auf den Namen Elwood Dalton (Jake Gyllenhaal). Zwar ist seine konträre – weil fröhliche – Attitüde zum bitteren Ernst des Jobs verwirrend, allerdings erzielt er Ergebnisse, wenn es darauf ankommt. Doch der Erfolg ist von kurzer Dauer, denn er zieht mehr und mehr die Aufmerksamkeit zwielichtiger Gestalten auf sich, denen er ein Dorn im Auge zu werden scheint.

Beflügelnde Ernstlosigkeit

Während sich das Original von 1989 noch ohne mit der Wimper zu zucken als seriös und tiefgreifend präsentiert hat – oder es zumindest plante -, kann Doug Limans Interpretation des maskulinen Männlichkeitswettbewerbs zwischen Rowdies eher einschätzen, zu welch komödiantischem Potenzial der Stoff taugt. Dominanz inmitten toxischer Männerrollen wird hier weder scharfsinnig karikiert, noch subtextuell aufgebrochen, sondern wie Perlen vor die Säue geworfen.

Road House ist ein simpler Film, der die eigenen Ansprüche niedrig hält. Damit muss man sich keineswegs zufriedengeben. Auch die Frage, inwiefern dieses Remake notwendig gewesen ist, darf durchaus gestellt werden. Allerdings kann man nicht leugnen, dass es komplett mit sich im Reinen ist – und dieses Selbstbewusstsein ist hochgradig ansteckend. Bei seiner ersten Konfrontation erkundigt sich Dalton nach der Krankenversicherung des Gegenübers sowie dem Standort des nächstgelegenen Krankenhauses. Er weiß, dass er gewinnt und hat praktisch bereits Mitleid mit einem Raufbold, der sich keinen Deut ernst nehmen lässt.

Sprüche klopfen und dabei höflich bleiben, ist eine Strategie, um Feinde zu verunsichern. Dass kaum wer Glaubwürdigkeit erlangt und dies vom Drehbuch intendiert ist, macht die Prämisse wesentlich bekömmlicher, als wenn man zwischen fliegenden Fäusten philosophischen Weisheiten lauschen muss. „Hirn aus, Augen auf!“ lautet die Devise dieses Werkes. Mit Primitivität davonzukommen wird auch im Action-Genre zunehmend schwerer, doch dieser Film schafft es und grinst einem dabei noch frech ins Gesicht.

Zwischen Graus und Gloria

Herzstück dieser storylosen Story sind somit kein Charakterdrama oder clever aufgebaute Intrigen. Hingebungsvoll widmet sich Liman einer Form von Action, die hart wie ein Baseballschläger auf das Publikum einprasselt, dabei aber gelegentlich mit technischen Makeln zu ringen hat. Herrlich in Wucht und Dynamik werden mit Fingerknöcheln Schläfen bearbeitet oder Kehlköpfe zertrümmert, menschliche Körper über Tresen geworfen, durch Glasfenster gedonnert oder Hals über Kopf unter Holztische gedroschen. Ambitioniert ist die flinke Kamera, die mit versteckten Schnitten und hektischen Wendungen durchaus gewöhnungsbedürftig zu begutachten ist, ihre Wirkung aber konstant hält.

Befremdlich sind hingegen die zahlreichen Passagen, die von schwammigen Spezialeffekten durchtrieben sind. In einer Szene fährt ein sichtbar computergeneriertes Auto durch eine sichtbar computergenerierte Leitplanke, um den Protagonisten auszuschalten. Die Mixtur aus realen und animierten Bildern entzieht der Action gelegentlich die Härte, mit der sie besticht. Letzten Endes sind die Einstellungen und wilden Kämpfe aber kreativ genug, sodass man sich nicht vollends daran stört.

Trotz der handwerklichen Patzer ist dieser Actionthriller fast eine Satire auf seinen eigenen Ursprung: übertrieben, gewitzt und urkomisch in seiner Erscheinung – in diesem Fall glücklicherweise mit voller Absicht. Um abzuschalten und sich berieseln zu lassen, ist er ideal. Filme wie dieser verzetteln sich oftmals in ihrer Stilistik oder überschätzen die eigene Ausstrahlung. Dabei darf es anspruchslose Streifen wie Road House immer noch geben, es benötigt nur ein Team dahinter, das besagte Anspruchslosigkeit angemessen verkaufen kann…oder Conor McGregor, der so überragend spielt, dass er es praktisch auch im Alleingang bewerkstelligt hätte.

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7.0
Punkte