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Der junge Snake Eyes, ein beharrlicher Einzelgänger, wird in den ehrwürdigen japanischen Arashikage-Clan aufgenommen, nachdem er das Leben des designierten Thronfolgers gerettet hat. Nach seiner Ankunft in Japan lehren ihn die Arashikage die Kunst der Ninja und bieten ihm gleichzeitig, wonach er sich schon immer gesehnt hat: ein Zuhause. Doch eines Tages werden Geheimnisse aus seiner Vergangenheit enthüllt: Snake Eyes Ehre und Loyalität werden auf die Probe gestellt und er läuft Gefahr, das Vertrauen derer zu verlieren, die ihm am nächsten stehen.
Regie: Robert Schwentke
Drehbuch: Evan Spiliotopoulos, Anna Waterhouse, Joe Shrapnel
Schnitt: Stuart Levy
Kamera: Bojan Bazelli
Darsteller*innen: Henry Golding, Andrew Koji, Samara Weaving
Produktionsjahr: 2021
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 1h43min
Genre: Action, Abenteuer

Die Freude darüber, dass zahlreiche Filme endlich wieder auf der breiten Kinoleinwand zu bestaunen und genießen sind, übertüncht solch manche Kuriositäten. Zum Beispiel das Ausschlachten einer Filmreihe, die sich im Treiben ihrer schmerzhaften Austauschbarkeit keinerlei Fanbase aufgebaut hat, sich aber trotzdem mühelos auf ihrem bekannten Fundament ausruhen kann. In der Hinsicht ist es die Entscheidung, den Film Snake Eyes: G. I. Joe Origins der vor Ideenlosigkeit trottenden Actionsaga, welche auf den titelgebenden Comics und einer Vielzahl von Spielfiguren basiert, hinzuzufügen, welche im Schlamm der abertausenden Rechtfertigungen für dieses und jenes seelenlose Projekt untergeht. Bemannt mit einer Reise zu den Wurzeln, nach der auch die abgemagertste Krähe nicht krächzt, schickt Regisseur Robert Schwentke seine Besatzung auf ein Himmelfahrtskommando, das von vornherein keinerlei Chance hatte.

So sehr die Unvoreingenommenheit, sollte sie auch sämtlichen Qualitäten voriger Erfahrungen widersprechen, die ein Vorurteil zu verschulden haben, ein Erlebnis belohnen kann, darf auch der Optimismus einem Sachverhalt einen ungeahnten Schockfaktor aufbocken. Denn man glaubt es kaum: Snake Eyes ist sogar noch schlechter, wie vorher angenommen. Wäre es doch wenigstens ein vollkommen durchschnittlicher Actioner mit ein paar netten Höhepunkten gewesen, aber selbst diesem Anspruch sieht sich dieses Machwerk nicht gewachsen. Es ist bereits eine wahre Meisterleistung für sich, einen derartigen Cast mit den gegebenen Fähigkeiten vor die Kamera zu stellen, nur um diese dann hohl in die Linse blicken und in total zerrüttelten Choreographien versinken zu lassen. Erinnert ihr euch noch an Taken 3? Ja? Mein Beileid, denn sonderlich besser ist das hier nicht.

Es lässt sich an der Stelle nur mutmaßen, dass hinter diesem zur Unkenntlichkeit verkommenen Schnittstakkato tatsächlich gute Kampfchoreographien und strukturierte Abfolgen von Schlägen, Tritten und Kopfnüssen stecken, doch bedauerlicherweise wird dies für immer ein Geheimnis bleiben. Der Schnitt und die Kameraführung ruinieren den Film. Wenn jede Sequenz nur in Bruchteilen einen Impuls des Geschehens erhaschen lässt, hat ein Actionfilm versagt. Dem Gehörten fehlt der Kontext, das Gefühlte trägt keine Wucht und das Gesehene…was soll das? Man sieht ja eh nichts.

Darüber hinaus, dass während der viel zu langen Laufzeit von zwei Vollstunden weder Spaß noch Dynamik vermittelt wird, sorgt Snake Eyes für einen Missstand, den sich nicht einmal seine bescheidenen Vorgänger, G. I. Joe – Geheimauftrag Cobra und G. I. Joe – Die Abrechnung, geleistet haben: Leider, leider, leider versucht der Film doch tatsächlich eine tiefe, emotionale und charakterbetriebene Geschichte zu erzählen. Das spärliche Resultat des Ganzen ist einfach erbärmlich.

Der unheimlich sympathische und charismatische Henry Golding kann in der Hauptrolle rein gar nichts bewirken, da seine Figur nur im Dienste des Plots von einer Nebenrolle zur nächsten gejagt wird, so dass diese seine Geschichte weitererzählt. Währenddessen sprechen seine Aktionen für sich und geben dem Publikum nicht den geringsten Grund, mit ihm in irgendeiner Weise mitzufiebern. Wir fassen also zusammen: Gesichtslos und als Held unbrauchbar? Das ist für eine Origin-Story nicht gerade von Vorteil.

Wirklich bedauerlich ist an dem Film, dass das Produktionsdesign auf einem ziemlich hohen Niveau steht und das Setting etwas Frische in die tristen Blocks des Actionkinos bringt. Dass man den anbetungswürdigen Locations bis auf ein paar vereinzelte, tolle Bilder null Komma null Stilistik entlockt, soll auch gar nicht groß thematisiert werden. Es hätte wirklich ein solides Teil werden können. Vielmehr soll das amateurhafte Editing, die undefinerte Kamera, die blutleere, reizlose Action und die Verschwendung des Talents hinter diesen Hüllen von über Ehre lamentierenden Persönlichkeiten eine Warnung darstellen, sich diesen Schund zu schenken. Man wird es sich im Nachhinein danken. Deswegen treibt es einen unentwegt zu der Leitfrage zurück, die das Schicksal dieses Filmes schon längst besiegelt hat: Wen um Himmels Willen juckt eigentlich Snake Eyes?

SNAKE EYES: G. I. JOE ORIGINS LÄUFT SEIT DEM 19. AUGUST 2021 IN DEN DEUTSCHEN KINOS

3.0
Punkte