15. Juli 2020

Da 5 Bloods – Review

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Die Geschichte von vier afroamerikanischen Veteranen – Paul (Delroy Lindo), Otis (Clarke Peters), Eddie (Norm Lewis) und Melvin (Isiah Whitlock, Jr.) – die nach Vietnam zurückkehren. Auf der Suche nach den Überresten ihres gefallenen Truppenführers (Chadwick Boseman) und der Verheißung eines vergrabenen Schatzes bekämpfen die Helden zusammen mit Pauls Sohn (Jonathan Majors) gegen Mensch und Natur gleichermaßen, während sie mit den bleibenden Verwüstungen der Unmoral des Vietnamkriegs konfrontiert sind.
Regie: Spike Lee
Drehbuch: Spike Lee, Danny Bilson, Paul De Meo, Kevin Willmott
Kamera: Newton Thomas Sigel
Schnitt: Adam Gough
DarstellerInnen: Delroy Lindo, Jonathan Majors, Clarke Peters, Norm Lewis, Isiah Whitlock Jr., Chadwick Boseman
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 2h36min
Genre: Drama, Krieg
Verfügbar auf:
Netflix DE

Da 5 Bloods trifft ein wichtiges Thema genau in der richtigen Zeit, sodass er thematisch zweifellos zu den filmischen Highlights des Jahres gehören wird. Ich mag grundsätzlich auch sehr gerne, wie direkt Spike Lee mit dem Thema umgeht – statt auf Subtilität zu setzen, übt er in gewisser Weise Frontal-Unterricht. Er macht sich keinen Hehl daraus, direkt anzusprechen, wofür er diesen Film geschaffen hat und krönt das beispielsweise mit zahlreichen Einspielern tatsächlicher geschichtlicher Ereignisse, um seinen Punkt noch klarer zu machen. Seine Wichtigkeit möchte ich Da 5 Bloods also in keiner Weise absprechen – gefallen hat mir der Film aber trotzdem nicht sonderlich.

Denn dazu wirkt er schlicht zu unfertig. Der Sound ist unausgeglichen, das Color Grading völlig übersättigt, die Dialoge sind lahm geschnitten, einige der wenige Spezial-Effekte sind wirklich schwach und das Pacing lässt zahlreiche Zweifel zu. Es gibt so einige Bilder, die wirklich mit Schönheit anmuten, insgesamt ist der Film technisch aber eine Enttäuschung.

©Netflix Inc.

Auch erzählerisch hätte ich mir mehr erwartet. Abgesehen von der großartigen Anfangs-Montage handelt es sich in Da 5 Bloods letztendlich um eine Mischung aus Roadtrip- und Kriegsfilm, ohne dem Anspruch eines der beiden Genres wirklich gerecht zu werden. Für einen Roadtrip sind die Dialoge zu uninteressant und die Figuren zu schwach, für einen Kriegsfilm sind die inszenatorischen Höhepunkte zu plötzlich und unpassend in das Restwerk integriert. Er schafft es nicht, einen einheitlichen Ton zu finden, vermischt ständig humoristische Einlagen mit unerwarteten Gewaltspitzen und ähnlichem, ohne es wirklich gekonnt miteinander zu verbinden. Das einzige, was ihm in diesem Aspekt gelingt, sind die geschickten Überblendungen von Gegenwart und Erinnerungen, in denen er mit Übergängen, Seitenverhältnissen und Filtern spielt.

Abgesehen davon scheint sich Spike Lee in seinem Skript übernommen zu haben. Immer weider schneidet er Konflikte und Themen an, die wirklich interessant zu sein scheinen, dann aber nicht mehr aufgegriffen werden (Stichwort Trump). Es sind zu viele Ideen, die nicht effizient zu Ende gedacht werden. Gerade in der ersten Hälfte ist der Film außerdem enorm zäh und geradezu langweilig, was er je weiter der Film fortschreitet, dann zwar wieder einigermaßen aufholt – im Kern bleibt aber der Kritikpunkt in diesem Aspekt, dass Da 5 Bloods viel zu lang ist.

©Netflix Inc.

Trotz aller Kritik möchte ich noch einmal betonen: Spike Lee weiß, was er zu sagen hat, und das sagt er auch. Er betont es immer wieder mit empowering moments und einprägsamen Bildern und Einspielern. Die Verspieltheit von Lee ist dazu nicht nur als Schwäche, sondern auch als Stärke zu sehen, gerade in dem Aspekt, dass dadurch Da 5 Bloods ein wirklich einzigartiger Film geworden ist. Einzigartig muss aber eben nicht jedem gefallen… 🙂

5

Mittelmäßig

5.0/10
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Daniel

Wenn ich ganz ehrlich sein muss, sind Filme noch gar nicht so lange mein Ding. Ich gehöre nicht zu der Fraktion, die schon mit 9 vor der Leinwand saß und sich mit seinem Vater über Bergman und Tarantino ausgetauscht hat - leider. Stattdessen habe ich mich immer wieder nur an Herr der Ringe und Star Wars gelabt und ergötzt, bis ich vor ungefähr drei Jahren endlich angefangen habe, etwas mehr Zeit dafür zu verwenden, aktiv Filme zu schauen. Ganz egal, welches Genre, welches Land oder welches Jahr. Und seitdem ist es aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Ich selbst studiere übrigens in irgendeinem Kaff in Ostdeutschland, komme aber eigentlich aus Landau in der Pfalz.

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