SynopsisCrewDetails
Im Jahr 1666 findet eine schlimme Hexenjagd in einer kleinen Stadt statt, die über die nächsten Jahrhunderte tödliche Konsequenzen nach sich ziehen wird.
Regie: Leigh Janiak
Drehbuch: Leigh Janiak, Phil Graziadei, Kate Trefry
Schnitt: Rachel Goodlett Katz
Kamera: Caleb Heymann
Darsteller*innen: Kiana Madeira, Olivia Scott Welch, Benjamin Flores Jr.
Produktionsjahr: 2021
Land: USA
Originaltitel: Fear Street 1666
Sprache: Englisch
Länge: 1h54min
Genre: Horror

Die Ernsthaftigkeit verdichtet sich, die Zeitsprünge erweitern sich. Wir schreiben das Jahr 1666 und befinden uns inmitten einer Pilgergemeinde im Zentrum des baldigen Terrorvororts. Andere Zeiten, andere Bräuche. Leidenschaftliche Frömmigkeit, gesittete Verhältnisse und eine bis auf wenige Einzelfälle abgesehen wohlwollende Gesellschaftsharmonie. Gerade in Anbetracht der Befürchtung, dass die Fear Street-Trilogie sich mit ihrem bisherigen Klimax in eine Sackgasse der Austauschbarkeit und Banalität manövriert hat, steht Fear Street – Teil 3: 1666 im Jahrgang des Ursprungs der Geschehnisse unter einem gewissen Druck.

Wo Fear Street: 1994 seine Prämisse mit der Verheißung auf mächtig Abwechslung und Spaß vorstellen konnte und Fear Street: 1978 selbige Verheißungen mit biederster Naivität im See versenkt hat, hat der dritte Film der Reihe die mitunter größte Verantwortung, die vorigen Versäumnisse auszumerzen und zu kompensieren. Das Setting, welches in seinen Eigenschaften an Filme wie The Witch erinnert, räumt dafür bereits angemessene Möglichkeiten ein. Man erfährt einen recht konventionellen Aufbau im Rahmen etwas fraglicher Umstände, bis der Plot mit einer ganz abgefahrenen Motivation abdriftet, die sich irgendwo zwischen Candyman, Hänsel und Gretel: Hexenjäger und Gesetz der Rache ansiedelt – und ab da wird es storytechnisch stark.

Die aufgearbeiteten Wendungen stellen sich in Kombination mit Nebensächlichkeiten des Handlungsverlaufes seiner Vorgänger als exquisit lukrativ heraus. Wie Fear Street: 1666 Bezug zu den anderen Zeitebenen nimmt, ist wahrlich unterhaltsam und erstaunlich scharfsinnig in den Werkzeugkasten, welcher entgegen der Erwartungen mehr als nur ein Geheimfach bereithält, eingebaut. Zwar wird dies durch die stetig eingeblendeten Flashbacks wenig subtil und peinlich genau präsentiert und ist somit inszenatorisch grobmotorisch erwirtschaftet, jedoch erreicht das Vehikel mit seiner handwerklichen Montur die Ziellinie.

Allgemein tut sich der Film gut darin, die Qualitäten seiner Vorgänger zu übernehmen und durch seine eigenen Qualitäten aufzustocken. Die praktischen Effekte sind abermals gelungen, der Cast ist abermals verlässlich überzeugend und die audiovisuelle Aufmachung ist der gezeigten Epoche abermals entsprechend authentisch und stilsicher. Darüber hinaus sind neben der twistreichen Story die Spannungsmomente gerade zum Finale hin derart intensiv, dass die Atmosphäre vollkommen zur Geltung kommt.

Dennoch hat der Film neben den genannten Qualitäten gleichzeitig auch einige Krankheiten übernommen. Das omnipräsente Shadyside-Gewäsch und dessen Inszenierung ist und bleibt pathetischer Kauderwelsch, es mangelt an außergewöhnlichen Gruselmomenten und als Slasher mit einem Konzept dieses Kalibers bleibt das Quellenmaterial chronisch unterfordert. Das Ruder liegt hier in der Hand der Geschichte, diese muss aber ein weiteres Mal gelobt werden. Die Kontinuität zu jeder vorkommenden Figur in Relation von Zukunft und Vergangenheit der Story ist beeindruckend. Es gelingt dem Drehbuch übrige Lücken zu füllen und zusätzlich mit neuem Stoff zu polstern. Dass das Ganze dabei noch überwiegend unvorhersehbar abläuft, setzt dem Stamm die Krone auf. Des Weiteren ist die schonungslose Konsequenz jedesmal erfrischend und für einen Schocker gut.

Das Potenzial ist durchaus noch nicht völlig ausgeschöpft, aber schon längst nicht mehr ignoriert. Von diesem macht Fear Street: 1666 vorwiegend inhaltlich Gebrauch und überrascht mit einer spannenden, gut durchdachten und das Franchise bereichernden Storyline. Die individuelle Stimmung und der tolle Cast wissen erneut ihre Wirkung auszuspielen und die hochwertige Optik wird kompetent von der Kamera veredelt. Als Horrorfilm ist er noch fern ab von jeglicher Perfektion, doch als Entmystifizierung einer Saga sehr wertbeständig. Und da Leigh Janiak den Raum ihrer Werke schon zu Beginn erkannt hat, stehen nach diesem tollen Eintrag weitere Daten im Kalender offen, die für Spin-Offs, Prequels und Sequels jeder Form und Farbe eingeplant werden können. Diese Welt birgt in der Tat eine ungeahnte Klasse in sich.

DIE KOMPLETTE TRILOGIE GIBT ES SEIT DEM 16. JULI 2021 AUF NETFLIX ZU STREAMEN

7.0
Punkte