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Nach dem Mord an König Uther Pendragon (Eric Bana) reißt dessen machthungriger Bruder Vortigern (Jude Law) die Krone an sich. Uthers junger Sohn Arthur (Charlie Hunman) wächst in den Gassen von London auf, ohne von seiner königlichen Herkunft zu ahnen – bis er eines Tages das legendäre Schwert Excalibur aus einem Stein zieht. Ausgestattet mit der Macht der magischen Waffe und unterstützt von Widerstandskämpfern macht er sich daran, den Tyrannen Vortigern zu stürzen und seinen rechtmäßigen Thron zurückzuerobern.
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Guy Ritchie, Lionel Wigram, David Dobkin, Joby Harold
Kamera: John Mathieson
Schnitt: James Herbert
DarstellerInnen: Charlie Hunnam, Astrid Bergès-Frisbey, Jude Law, Djimon Hounsou, Eric Bana
Land: USA
Sprache: Englisch
Länge: 2h6min
Genre: Fantasy, Action, Drama
Verfügbar auf:
– Nicht per Flatrate verfügbar
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Historische Fantasy-Geschichten wie die Artus-Sage bieten sich für die Kinoleinwand ideal an. Wenn die Geschichte sich durch ihren enormen Bekanntheitsgrad ohnehin quasi von selbst erzählt, räumt das eine Menge Platz für die handwerkliche Reinkarnation des Stoffes. Dieses verlockende Prinzip hat sich bereits in Grund und Boden rekapituliert und sorgt dementsprechend inzwischen nicht mehr unbedingt für eine Welle der Aufregung unter dem Publikum. Bei einem derart extraordinären Namen wie Guy Ritchie, der sich einer neuen Verfilmung des Stoffes annahm, horchte die Masse aber wieder auf. Und da war er: Der Mega-Flop, dem eigentlich fünf weitere Nachkommen entspringen sollten. Erste Kritiker warnten das Publikum sogar lautstark, so weit wie möglich von Ritchies Film Abstand zu halten. Aufgrund unzähliger voriger Verfilmungen der Geschichte war dieses Werk von vornherein nie mit einer meisterhaften Prognose ins Kino gekommen, doch hat King Arthur: Legend of the Sword seinen unköniglichen Ruf auch wirklich verdient?

Guy Ritchie als größte Fehlbesetzung in seinem eigenen Film…

Mit dem Regisseur des Filmes hat man schon mal den größten Knackpunkt und dient als Beispiel für ein Werk, bei dem sich Macher und Material beißen. Guy Ritchie mag vielleicht der falsche Regisseur für den Film gewesen sein. Sein hektischer und rapider Schnittstil verwehrt diese zu vermittelnde Ewigkeit, die die Artus-Sage ausmacht. Bei gewitzten und verknoteten Crime-Stories wie Snatch funktionierte das prächtig, sogar bei Ritchies Filmadaption Sherlock Holmes stieß diese zuerst fragwürdige Methode auf eine überraschend positive Resonanz. Bei King Arthur: Legend of the Sword waren die meisten Zuschauer von diesem Stil jedoch alles andere als begeistert. Das Storytelling wirkt oftmals überhastet, schneidet oft zwischen Szenen hin und her, um eine andere kurz darauf zu wiederholen und die Zeitebenenen an den Scheitelpunkten überschneiden zu lassen. Von narrativer Feinheit zeugt diese Machart nicht und es zeigt sich in vielen Szenen auch kenntlich, dass in der Erzählung einige Kürzungen vollzogen worden sind. Man hetzt durch den Werdegang des Protagonisten und aller seiner Entwicklungsmomente, Aufgaben und Probleme und bekommt somit einen recht befremdlichen Ton vorgesetzt, der erzählerisch geschickter gehemmt hätte werden können.

…und wie er es zu seinem Vorteil nutzte

Und doch ist genau diese Delle in seiner Rüstung meiner Meinung nach letztendlich seine größte Stärke. Auch ich fand zuerst wenig Gefallen an der Machart dieses Filmes, habe dann aber nach mehrmaligem Anschauen begonnen ihn richtig wertzuschätzen. Seine überstilisierte Eigendarstellung des Epos hebt sich durch diese unerwünschte Individualität nicht nur von allen anderen Retellings der Sage, sondern auch vom generischen Blockbuster-Kino ab. Guy Ritchie verfilmt den Stoff nicht erneut, er macht ihn ganz zu seinem Eigen. Die angekreidete Hektik seiner Erzählweise gibt der Geschichte eine oft merkwürdige aber genauso oft effektive Dynamik, die in ihrer anarchistischen Ausdrucksweise oft das Gefühl implementiert eine völlig andersartige Geschichte zu hören. Seine Artus-Sage ist durchweg over-the-top, chaotisch und laut. Bereits in den ersten zehn Minuten führt Ritchie uns in die wundersamen Weiten des CGI und welche Magie sie in sich bergen. Der mittelalterliche Look zeigt in beeindruckenen Set-Pieces epische Bilder mit brachialen Special-Effects, die auf technischer Seite beinahe schon überragende Images zeichnen. Die unterhaltsamen und bombastischen Action-Sequenzen, in denen Arthur die Macht von Excalibur verwendet, geben einem effektbetriebene Choreographien, die einen gegebenenfalls nur sprachlos zusehen lassen.
In seiner modernen Ausführung im Kontrast zum obsoleten Ambiente erschafft er eine eigene Fiktion und verleiht der rückständigen Geschichte mit comichaften Zügen seinen eigenen Charakter. Durch diesen Look wird etwas derart authentisch Unauthentisches erschaffen, so dass der Film eine souveräne Ausstrahlung erlangt und sich von den diversen anderen Excalibur-Verfilmungen auch optisch deutlich abzuheben weiß.

Die schlachtrufende Musikauswahl weiß diesen Ton noch zu unterstreichen und vermittelt ein episches Feeling, das die Bilder begleitet. Hinzu kommen ehrenwerte Darsteller, die mit Ausnahmen bis in die kleinste Nebenrolle gut besetzt sind. Charlie Hunnam ist in der Rolle des Arthur eine wahr gewordene Traumbesetzung und hat mehr Charisma in seinem Bart, als viele Männer sich nur vorstellen können. Dabei spielt er den charmanten, furchtlosen Gentleman-Draufgänger, der sich selbst erziehen und mit nichts überleben musste, eindrucksvoll und lässig. Er ist eine Top-Besetzung für den Protagonisten, der in den passendsten Situationen kein Tuch vor den Mund nimmt und seine Kontrahenten mit lockeren Sprüchen vor Scham untergehen lässt. Jude Law als sein machtbessesener Onkel Vortigern gibt einen zwiegespaltenen aber primär fiesen Antagonisten, der über Leichen steigt, um seinem Zwang Herrscher zu sein treu bleiben zu können. Dies gelingt ihm mit einer wahnhaften Obsession, die einem bereits in seinen Augen begegnet und gibt der Figur eine unbehagliche Präsenz, die von ihr ausgeht.

Fazit

Trotz meiner ironischen Belobigung der großen Schwäche des Filmes, die für mich auf einer Seite keine ist, muss erwähnt werden, dass das Endresultat aufgrund erzählerischer Makel nicht ideal ist. Laut Angaben von Charlie Hunnam war die ursprüngliche Version des Filmes satte dreieinhalb Stunden lang, bis Guy Ritchie sich aufgrund verschiedener Unzufriedenheiten dazu entschied ihn stark zu kürzen. Da fragt sich natürlich, ob der komplette Film nicht vielleicht ein (noch) besserer gewesen wäre. Lässt man die prinzipielle Kritik am Stil des Filmes selbst außen vor, krankt King Arthur: Legend of the Sword immer noch an vielen Kleinigkeiten. Einige mäßige Schauspielleistungen tanzen bei einem derartigen Cast etwas aus der Reihe, sowie die ungenügende Charakterzeichnung der Nebenfiguren und dessen starken Einfluss auf den Plot. Diese Filmadaption ist weit davon ab perfekt zu sein. Es handelt sich hier um kein Meisterwerk des Fantasy-Genres und keine hervorragende Artus-Erzählung, aber um etwas Frisches und Spektakuläres. King Arthur: Legend of the Sword mag für manch einen nicht den royalen Fantasy-Epos verkörpern, den eine Sagenverfilmung charakterisiert. Als epische, visuell beeindruckende, besonnen geschriebene und franchisewürdige Neuauflage vermag das Schwert lediglich auf die Auserwählten reagieren zu können, die es in seinem gewöhnungsbedürftigen Stil nicht verweigern. Ich finde es sehr bedauerlich, dass dieser Film so heftig gefloppt ist. Ich hätte gerne eine Fortsetzung gesehen.